Flüchtlinge werden an der griechisch-mazedonischen Grenze von griechischen Polizisten aufgehalten. © Alexandros Avramidis/Reuters

Mittlerweile sind einige der gestern nach Mazedonien geflüchteten Menschen wieder ins griechische Idomeni zurückgekehrt. Und was sie berichten, sei schrecklich, berichtet der ARD-Korrespondent Julian von Löwis in der tagesschau. So seien die Menschen von mazedonischen Soldaten gleich hinter der Grenze eingekesselt, geschlagen und getreten worden.

Mazedonien hat Hunderte Migranten nach Griechenland geschickt, die sich aus dem Flüchtlingslager Idomeni nach einem Fußmarsch über die Grenze durchgeschlagen hatten. Die meisten der Flüchtlinge seien noch in der Nacht per Lastwagen zurück nach Griechenland gebracht worden.

In dem Lager Idomeni sitzen momentan mehr als 12.000 Menschen nach der Schließung der Balkanroute fest, darunter viele Frauen und Kinder. Sie kampieren dort seit Tagen bei Regen und Kälte in Zelten im Schlamm. Über Monate waren Hunderttausende Menschen aus dem Nahen Osten und Afrika hier auf dem Weg nach Zentraleuropa durchgezogen. Doch eine Verschärfung von Grenzkontrollen zunächst in Österreich und anschließend die Balkanroute hinab mündete vergangene Woche in einer vollständigen Grenzschließung.

Am Montag hatten sich dann rund 150 Flüchtlinge auf eine mehrstündige Wanderung gemacht. Sie durchquerten einen Fluss und waren durch einen unbewachten Abschnitt der Grenze nach Mazedonien gelangt. Auf mazedonischem Gebiet wurden sie jedoch von der Polizei oder von Soldaten aufgegriffen – und laut eigenen Angaben misshandelt. 

Auf Twitter kursierte ein Foto eines Mannes mit blutverschmiertem Gesicht, der anscheinend von mazedonischen Polizisten geschlagen worden ist. Die Schilderungen der Flüchtlinge bestätigte laut ARD-Korrespondent von Löwis eine spanische Reporterin, die sich gestern unter die nach Mazedonien flüchtenden Menschen gemischt hatte. Die Journalistin vom spanischen Fernsehen sei von der mazedonischen Armee entdeckt, von den Flüchtlingen getrennt und in einen Raum gebracht worden. Auch sie habe von Schlägen und Tritten durch mazedonische Soldaten berichtet.

Wer das Flugblatt, auf dessen Grundlage sich Tausende Menschen auf den Weg Richtung Grenze gemacht hatten, in Umlauf brachte, ist laut von Löwis noch immer unklar. "Wir wissen nicht , wer dahinter steckt. Aber es nicht unwahrscheinlich, dass es deutsche Aktivisten waren, die den Zettel gedruckt haben."

"Die Aktion habe ich nicht initiiert"

Unterdessen hat der frühere CDU-Bundesminister Norbert Blüm bestritten, mit dem Flugblatt eines angeblichen "Kommandos Norbert Blüm" etwas zu tun zu haben. Der 80-Jährige hatte in den vergangenen Tagen im Flüchtlingslager Idomeni campiert. "Ich habe erst im Nachhinein von diesem Flugblatt erfahren", sagte Blüm der Bild. "Die Aktion habe ich nicht initiiert."

Auf dem Flugblatt, das in arabischer Sprache verfasst ist, wird den Flüchtlingen ein Weg über die eigentlich für sie geschlossene Grenze von Griechenland nach Mazedonien gewiesen. Darin steht, dass das Camp geräumt werden solle, die Flüchtlinge in die Türkei abgeschoben werden sollten und dieser Marsch ihre letzte Hoffnung sei. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hatte die Flugblatt-Aktion als kriminell und menschenverachtend bezeichnet. Der Regierungschef rief die Flüchtlinge auf, aus Idomeni in andere Unterkünfte zu ziehen. Er forderte mit ihnen zusammenarbeitende Freiwillige auf, dabei zu helfen, falsche Gerüchte im Keim zu ersticken.