Irakische Spezialeinheiten bei einem Anti-Terror-Training (Archivbild) © Carolyn Kaster/Reuters

US-Spezialeinheiten haben den Chef des Chemiewaffenprogramms der Terrormiliz "Islamischer Staat" gefangen genommen. Sleiman Daud al-Afari sei nahe der nordirakischen Stadt Tal Afar festgesetzt worden, erklärten zwei irakische Geheimdienstbeamte. US-Regierungsbeamte bestätigten die Identität Al-Afaris.

Der etwa 50-jährige Al-Afari spezialisierte sich den Geheimdienstleuten zufolge in der Behörde für Militärindustrie des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein auf chemische und biologische Waffen. Zuletzt war er demnach Chef der vom IS geschaffenen Forschungs- und Entwicklungsgruppe für chemische Waffen.

In der vergangene Woche hatten Regierungsbeamte in den USA erklärt, ein IS-Führer sei festgenommen und zwei oder drei Wochen lang verhört worden. Im Verhör soll er entscheidende Hinweise auf Chemiewaffendepots des IS gegeben haben. Die US-Luftwaffe hat dem Nachrichtensender CNN zufolge daraufhin mehrere Depots im Nordirak angegriffen. Ziel der Angriffe sei, das Chemiewaffenprogramm des IS zu zerstören. Es gehe dabei vor allem um Senfgas. Das Weiße Haus und das Pentagon nahmen auf Anfrage keine Stellung zu den Berichten.

Labors und Ausrüstungen bombardiert

Die von den USA geführte Kampfkoalition gegen den IS hat seit etwa zwei Monaten das Chemiewaffenprogramm der Terrormiliz verstärkt ins Visier genommen. Unter anderem wurden Labors und Ausrüstungen bombardiert, zudem seien weitere Einsätze gegen Chemiewaffenexperten geplant, sagten die irakischen Geheimdienstbeamten.

Der IS hat Chemiewaffen bisher nur in geringem Umfang genutzt. Es wird angenommen, dass er lediglich über kleine Mengen Senfgas verfügt, die er unter anderem im August vergangenen Jahres in Syrien eingesetzt haben soll. Pentagon-Sprecher Jeff Davis sagte, der IS habe im Irak und in Syrien wiederholt "Schwefelsenf" als Pulver mit Granaten verschossen. Dieses wird nach dem Aufprall in einer Staubwolke aufgewirbelt und sei in größeren Mengen absolut tödlich. Experten vermuten, dass es dem IS für eine Massenproduktion an Material und Ausrüstung fehlt.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter hatte vergangenen Monat in einem Interview gesagt, die USA beobachteten das Chemiewaffenprogramm nicht nur sehr genau, sondern würden auch etwas dagegen unternehmen.

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