Jeminitische Kämpfer, die loyal zu Präsident Hadi stehen, stürmen in ein Gefecht mit Einheiten der Huthi-Milizen westlich der Stadt Taez. © AHMAD AL-BASHA/AFP/Getty Images

Seit einem Jahr ist Krieg im Jemen: zwischen der von Saudi-Arabien angeführten Koalition zur Unterstützung des vertriebenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi und den Huthi-Rebellen. Der Ton der Vereinten Nationen wird immer schärfer. Die saudische Luftwaffe habe im Jemen "ein Gemetzel" angerichtet, sagte jüngst der Hohe Kommissar für Menschenrechte, Seid Raad al-Hussein. Für knapp zwei Drittel der zivilen Opfer und zivilen Zerstörungen sei die Kriegskoalition der Golfstaaten verantwortlich.

Allein bei dem Beschuss eines dicht belebten Marktes in der westlichen Provinz Hajja Anfang letzter Woche kamen 119 Menschen ums Leben, darunter 24 Kinder. "Trotz ständiger internationaler Proteste wiederholen sich solche Vorfälle mit absolut inakzeptabler Regelmäßigkeit", sagte al-Hussein und drohte, diese Kriegsverbrechen durch eine internationale Kommission untersuchen zu lassen. Obendrein warf der UN-Diplomat der Koalitionsseite vor, sie sei unwillig, bereits angerichtete Massaker transparent und unabhängig aufzuklären. An die beiden Kriegsparteien im Jemen appellierte er, "ihren Stolz herunterzuschlucken und diesen Konflikt zu beenden".

Ein Jahr lang zerbomben modernste Kampfjets von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten nun schon das arme Land Jemen an der Südspitze der Arabischen Halbinsel – ein Krieg, der ein humanitäres, militärisches und strategisches Desaster angerichtet hat. 6.200 Menschen verloren nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ihr Leben. 2,4 der 24 Millionen Jemeniten sind auf der Flucht, mindestens die Hälfte der Bevölkerung ist von Hunger bedroht. Allein in der Hauptstadt Sanaa wurden 250.000 Menschen ausgebombt. Denn die saudische Luftaufklärung ist schwach und ungenau, die Kampfpiloten unerfahren und skrupellos. Aus Angst vor Abwehrraketen fliegen sie extrem hoch, so dass sie ihre militärischen Ziele meist verfehlen und stattdessen Krankenhäuser und Schulen, Moscheen und Flughäfen, Fabriken und Marktplätze sowie Hochzeitsgesellschaften und Privathäuser in die Luft jagen.

Profiteure des angerichteten Chaos sind vor allem die Dschihadisten von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel und des "Islamischem Staates" (IS), der im vergangenen Jahr erstmals im Jemen auftrat und auf dessen Konto zahlreiche Selbstmordanschläge auf Moscheen gingen. "Al-Kaida ist mächtiger denn je, auch wenn einige ihrer Führer durch Drohnenangriffe getötet wurden", urteilen die Spezialisten des amerikanischen Think Tanks The Soufan Group. Den deutlich kleineren IS-Kommandos bescheinigen sie "extreme Gewalt und den absoluten Willen", sich in dem zerfallenden Staat festzusetzen.

Unter dem wachsenden Druck ihres Hauptverbündeten USA kündigte die saudische Militärführung jetzt an, die Kampfhandlungen würden in nächster Zeit zu einem Ende kommen. Auch wenn das nicht bis exakt zum ersten Jahrestag des Krieges am 26. März erfolge, der Golfkoalition sei sehr daran gelegen, "nicht über dieses psychologische Datum hinauszugehen", sagt Mustafa Alani vom Gulf Research Centre in Genf. Denn auch die saudischen Verluste am Boden sind erheblich, besonders in der Grenzregion. Die Zahl der getöteten Zivilisten bezifferte das Königshaus offiziell auf 375, in der Armee kursieren Zahlen von mehr als tausend Gefallenen in den eigenen Reihen.

Aber auch bei den Huthis scheint die Kompromissbereitschaft zu wachsen. Ihr bisheriger Hauptverbündeter, Alt-Präsident Ali Abdullah Saleh, ist offenbar schwer erkrankt, er soll einen Schlaganfall erlitten haben. Salehs Truppen, die in ihren Arsenalen auch Scud-Raketen haben, bilden bislang das militärische Rückgrat der Rebellen. Und so reiste jetzt erstmals eine große Huthi-Delegation nach Riad, während die Gefechte und Artillerieduelle entlang der Front auffällig zurückgingen. Bei den Gesprächen geht es zunächst um den Austausch von Gefangenen, im April soll dann in Kuwait über einen Waffenstillstand und eine Neuverteilung der Macht im Jemen verhandelt werden. 

Dass etwas in Bewegung gekommen ist, zeigt auch die plötzliche brüske Distanzierung eines hohen Huthi-Kommandanten von der bisherigen Schutzmacht Iran. Deren Diplomaten sollten "den Mund halten" und "aufhören, den jemenitischen Bürgerkrieg für ihre Zwecke auszuschlachten", schrieb Youssef al-Fishi auf seiner Facebook-Seite.