Die Vereinten Nationen werfen den Kriegsgegnern im Jemen vor, gezielt Krankenhäuser, Schulen und andere zivile Ziele anzugreifen. Mehr als 2.000 Kinder seien Schätzungen zufolge in den vergangenen Monaten getötet oder verletzt worden, sagte UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien vor dem Weltsicherheitsrat in New York. Mittlerweile wird im Sicherheitsrat an einer UN-Resolution gearbeitet.

Bei Bombardements der von Saudi-Arabien geführten Militärallianz seien jüngst auf einem Markt der Hauptstadt Sanaa 30 Menschen getötet und 40 weitere verletzt worden. In der Region Marib wurde im Februar ein Gesundheitszentrum zerstört. O'Brien verlangte ein Ende der Angriffe und Zugang zu den hilfsbedürftigen Menschen.

Angesichts des Bürgerkriegs im Jemen erwägt der UN-Sicherheitsrat, den Zugang zu humanitärer Hilfe und ein Ende willkürlicher Attacken per Resolution durchzusetzen. Möglicherweise sei gar eine schnelle oder "sehr drastische" Resolution nötig, um humanitäres Recht durchzusetzen, sagte Angolas UN-Botschafter Ismael Gaspar Martins. Angola hat derzeit die rotierende Präsidentschaft im höchsten UN-Gremium inne.

Auch die wachsende Präsenz der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bereite dem Sicherheitsrat Sorgen. Martins drängte die internationale Gemeinschaft, dem Aufruf zu finanzieller Unterstützung über 1,6 Milliarden Euro zu folgen.

Zuvor hatte eine Sprecherin der neuseeländischen UN-Mission gesagt, dass Ägypten, Japan, Spanien, Neuseeland und Uruguay an einem gemeinsamen Entwurf für eine Resolution arbeiten würden. Es sei an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft ein Zeichen für den Schutz von Ärzten und medizinischen Einrichtungen setze.

21 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen

Die französische Hilfsorganisation Action contre la Faim berichtet davon, in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt zu sein. "Die humanitäre Lage verschlechtert sich, die Hilfsorganisationen können nicht länger den Bedarf der Bevölkerung decken", sagte die Mitarbeiterin Cristina Thevenot nach einem Besuch in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa.

Im März 2015 seien 16 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen, heute seien es 21 Millionen und damit 80 Prozent der Bevölkerung, so Thevenot. In zehn der 21 Verwaltungseinheiten der Landes grenze die Situation an eine Hungersnot.

Im Jemen kämpfen regierungstreue Truppen gegen die schiitischen Huthi-Rebellen. Die Regierung von Präsident Rabbo Mansur Hadi, die zeitweise ins Exil floh, wird seit Ende März 2015 vom sunnitischen Nachbarland Saudi-Arabien an der Spitze einer arabischen Militärkoalition mit Luftangriffen unterstützt.

Nach UN-Schätzungen starben in dem Konflikt mehr als 6.100 Menschen, die Hälfte davon Zivilisten. 14,4 Millionen Menschen leiden unter Nahrungsmittelunsicherheit, 2,5 Millionen sind Vertriebene im eigenen Land.