Die Regierung Kolumbiens und die katholisch-marxistische Guerilla-Organisation Nationale Befreiungsarmee (ELN) haben die Aufnahme direkter Friedensverhandlungen angekündigt. Unterhändler beider Seiten einigten sich in der venezolanischen Hauptstadt Caracas auf die Eckpunkte der Friedensgespräche. "Wir wollen dem Konflikt ein Ende setzen, die politische Gewalt beenden und die Situation der Opfer in den Mittelpunkt stellen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

Zur Verhandlung stehen ein Waffenstillstand, die Entschädigung der Opfer, Sicherheitsgarantien für ELN-Kämpfer und die politische Zukunft der Guerillaorganisation. Die Gespräche finden zunächst in Ecuador statt, weitere Verhandlungsrunden in Kuba, Brasilien, Chile und Venezuela sollen folgen.

Über die Aufnahme von Verhandlungen mit der ELN diskutierte die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos seit mehr als zwei Jahren. Die Freilassung eines von der Guerilla festgehaltenen Beamten Anfang März hatte den Weg zum Verhandlungsbeginn geebnet. Allerdings startete die marxistische Guerilla zu Beginn des Jahres auch eine Militäroffensive. Die Gruppe soll rund 2.000 Kämpfer haben und ist in fünf Regionen Kolumbiens aktiv.

"Die Verhandlungen mit den Farc und der ELN sind unterschiedlich, aber beide sollen dem Konflikt ein Ende setzen", sagte der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos. "Mit Hoffnung streben wir dem Ende des Konflikts in Kolumbien entgegen. Mehr als jemals zuvor sollten wir jetzt vereint sein, damit der Frieden Wirklichkeit wird."

Die ELN ist zwar wie die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) eine linksgerichtete Guerilla, beide Bewegungen haben sich aber auch gegenseitig bekämpft, insbesondere wenn es um Territorium ging. Ursprung beider Bewegungen war ein Aufstand von Kleinbauern und Landarbeitern im Jahr 1994.

Die Farc verhandeln schon seit dreieinhalb Jahren mit der Regierung über ein weitreichendes Friedensabkommen, das den Rebellen die Teilhabe am politischen Leben ermöglichen soll. Das ursprünglich für März anvisierte Ziel eines Friedensabkommens wurde kürzlich auf Ende des Jahres verschoben.

Im Bürgerkrieg zwischen staatlichen Sicherheitskräften, linken Rebellen und rechten Paramilitärs wurden in dem südamerikanischen Land bislang über 220.000 Menschen getötet und Millionen vertrieben.