Der ehemalige Vizepräsident des Kongo, Jean-Pierre Bemba, ist vom Internationalen Strafgerichtshof für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen worden. Bemba sei als oberster Befehlshaber einer Miliz schuldig für Morde, massenhafte Vergewaltigungen und Plünderungen in der Zentralafrikanischen Republik, urteilten die Richter in Den Haag.

Das Strafmaß wird erst zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt. Ihm droht eine Gefängnisstrafe von 30 Jahren. Der 53-jährige Geschäftsmann ist der bisher ranghöchste Politiker, der vom Internationalen Strafgerichtshof verurteilt wurde. Und er ist der Erste, der wegen seiner Befehlsgewalt schuldig gesprochen wurde. Es wird erwartet, dass seine Verteidiger Berufung einlegen werden.  

Während des fünf Jahre dauernden Prozesses hatte Bemba stets seine Unschuld beteuert. Die Vorsitzende Richterin Sylvia Steiner verlas den einstimmigen Schuldspruch: "Mr. Bemba ist strafrechtlich verantwortlich für Verbrechen gegen die Menschlichkeit in zwei Fällen und Kriegsverbrechen in drei Fällen." Fassungslos verließen mehrere Dutzend Anhänger Bembas das Gerichtsgebäude. 

Die Taten fanden in den Jahren 2002 und 2003 statt. In der Zeit befehligte Bemba die Miliz Bewegung für die Befreiung Kongos (MLC). Soldaten der Miliz sollen damals in der benachbarten Zentralafrikanischen Republik zahlreiche Männer, Frauen und Kinder gefoltert und getötet haben.

Es war auch der erste Prozess zum Einsatz von sexueller Gewalt als Kriegswaffe. Tausende Frauen und Mädchen waren brutal Weise missbraucht worden. Ein Mädchen wurde von zwölf Soldaten vergewaltigt, sagte die Richterin. "Mr. Bemba wusste von diesen Verbrechen." Aber er habe nichts getan, um sie zu verhindern.

Der UN-Hochkommissar für die Menschenrechte, Seid Ra'ad al-Hussein nannte das Urteil einen "wichtigen Schritt im Kampf gegen Sexualverbrechen".

Im Jahr 2008 war Bemba festgenommen worden. Der Prozess vor dem Gericht in Den Haag hatte im November 2010 begonnen.