Fidel-Castro-Poster auf einem Markt in Havanna © Chip Somodevilla/Getty Images

Kubas früherer Staatschef Fidel Castro hat deutliche Vorbehalte gegenüber den USA geäußert. Er reagierte damit auf den Besuch von US-Präsident Barack Obama in Kuba vor einer Woche. Kuba brauche "keine Geschenke" der USA, schrieb der 89-Jährige in einem Brief an den "Bruder Obama". Das 1.500 Wörter lange Schreiben wurde in der Staatszeitung Granma veröffentlicht.

"Dank der Anstrengungen und der Intelligenz unseres Volkes sind wir fähig, Lebensmittel und die materiellen Reichtümer zu produzieren, die wir brauchen", schrieb Castro. "Wir haben keinen Bedarf, dass uns das Empire irgendwelche Geschenke macht."

In dem Brief spottete Castro zudem über die "honigsüßen Worte" Obamas während seines Besuchs auf der Insel. Beim Hören dieser Worte riskiere man, einen Infarkt zu erleiden. Der frühere Präsident rief eine lange Reihe von Konflikten zwischen Kuba und den USA in Erinnerung. 

Reuters
¿Que bolá Cuba?

¿Que bolá Cuba?

Erstmals seit 88 Jahren schaut wieder ein US-Präsident im Inselstaat vorbei. Wieso hat das so lange gedauert?

Laden …
©ZEIT ONLINE ©Mapbox ©OpenStreetMap
Enge Nachbarschaft

Enge Nachbarschaft

Wenn Havanna Köln ist, dann ist Miami Hamburg. Die USA und Kuba liegen nahe beieinander, ideologisch sind sie weit entfernt.

Laden …

Die USA und Kuba

Gemeinsam in Freiheit

Die beiden Länder verbindet eine lange Geschichte. Zusammen vertrieben sie Ende des 19. Jahrhunderts die spanischen Kolonialherren von der Insel – nachdem die USA damit gescheitert waren, den Spaniern Kuba abzukaufen.

Laden …
Laden …
Laden …

Obama hatte in der vergangenen Woche in Havanna dazu aufgerufen, die Konflikte des Kalten Krieges hinter sich zulassen, und für Freiheit und Demokratie plädiert. Zugleich versicherte er aber, Kuba keinen Wandel aufzwingen zu wollen.

Fidel Castro schrieb nun über Obama: "Mein bescheidener Vorschlag ist, dass er nachdenkt und nicht versucht, Theorien über die kubanische Politik auszuarbeiten". Der Revolutionsführer hatte im Jahr 2006 die Macht an seinen jüngeren Bruder Raúl abgegeben. Seit Juli 2015 ist er nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten, doch veröffentlichen die Medien regelmäßig Fotos von ihm bei Treffen mit Politikern befreundeter Länder.

Die überraschende Ankündigung seines Bruders Raúl Ende 2014 zur Wiederaufnahme der Beziehungen mit den USA hat Fidel Castro nie öffentlich kritisiert. Doch hat er wiederholt sein Misstrauen gegenüber dem langjährigen Erzfeind geäußert.