Kubas Präsident Raul Castro mit Barack und Michelle Obama in Havanna © Chip Somodevilla/Getty Images

"Lassen wir die Vergangenheit hinter uns", hat Barack Obama gesagt: Im Gran Teatro von Havanna, zum Abschluss seiner historischen Reise nach Kuba, vor den versammelten Würdenträgern der sozialistischen Republik. Es war ein Friedensangebot – und zugleich eine Kampfansage.

Jeder weiß: Je mehr sich Kuba dem US-amerikanischen Nachbarn öffnet, desto schneller wird auch der Einfluss des ehemaligen imperialistischen Erzfeinds und der Konsumwirtschaft westlicher Prägung auf der Insel wachsen. Kuba wird bald nicht mehr sein, was es einmal war – dieses kleine Land zwischen Nord- und Südamerika, in dem ein Sozialismus alter, klassischer Prägung länger überlebte als irgendwo sonst. 

Und das war bloß der Auftakt der Lateinamerikareise von Barack Obama. Der nächste Stopp wird Argentinien sein: ein Land, das seit 2003 zu einem sozialistischen Musterstaat neuer Prägung werden wollte.

Kuba - Obama fordert Bürgerrechte für kubanische Bevölkerung US-Präsident Barack Obama hat seinen Kubabesuch mit einer Rede beendet. Darin forderte er, dass den Kubanern das Recht auf freie Meinungsäußerung gewährt werden müsse.

Zwölfeinhalb Jahre lang wirbelten dort das Ehepaar Néstor und Cristina Kirchner den Staat und die Wirtschaft durcheinander. Sie betrieben eine entschlossene Politik zugunsten ärmerer Bevölkerungsschichten, legten sich mit alten Diktatoren an, sprangen frech und harsch mit Investoren aus dem In- und Ausland um – und nicht zuletzt schimpften sie lautstark auf die USA. Vorbei. Seit Dezember regiert in Buenos Aires ein wirtschaftsfreundlicher Konservativer namens Mauricio Macri. Argentinier und internationale Beobachter sind in diesen Tagen davon überrascht, wie zügig, gründlich und ruppig der neue Mann das Erbe der Kirchners vertreibt.

So betrachtet wirkt Obamas Reise fast wie ein Triumphzug. Ein Phänomen hat den Kontinent erfasst: Der Niedergang der sozialreformerischen, wirtschaftsskeptischen und amerikafeindlichen Linken, der einmal prägend für diesen Teil der Welt gewesen war. Monat für Monat wird nun irgendwo ein sozialistischer Regierungsführer abgewählt, aus dem Amt gedrängt oder zur Aufgabe seiner Ideale und Ziele gezwungen. 

In Brasilien zum Beispiel: Nach 13 Jahren unter den Sozialisten protestieren jetzt Millionen auf den Straßen und fordern zornig den Abtritt ihrer Präsidentin Dilma Rousseff. In Venezuela, wo seit 1999 die Chavisten regieren, die Anhänger des inzwischen verstorbenen Comandante Hugo Chávez, gewannen Oppositionskräfte Ende 2015 überraschend die Wahl. Damit entfällt auch eine Projektionsfläche der Linken anderswo auf der Welt: Die Ideen von Hugo Chávez und Co hatten viele Jahre lang auch linke Salons in Europa und in den USA inspiriert.

Die Macht mit aller Härte verteidigen

Das Ganze könnte ein normaler Wandel sein, ein politischer Richtungswechsel, wie er zur Demokratie gehört. Doch Lateinamerikas Linke fällt in diesen Tagen unangenehm auf: Die compañeros wollen nicht in Frieden ziehen.

In Brasilien verteidigt Dilma Rousseff mit Klauen und Zähnen ihre Macht – obwohl ihre Regierung vor lauter Korruptionsvorwürfen, wütenden Massenprotesten und einer Blockadepolitik der Opposition kaum noch zu retten scheint. Sie nimmt dabei immer weniger Rücksicht auf demokratische Institutionen. Zuletzt bot sie sogar ihrem Amtsvorgänger Lula da Silva einen Regierungsposten an, um ihn vorübergehend vor einer strafrechtlichen Verfolgung wegen Korruption zu schützen.

Anderswo scheinen sogar regelrecht diktatorische Züge auf, wo lateinamerikanische Linksregierungen unter Druck geraten: Da werden Medien gezügelt, Demonstranten gepeinigt und politische Gegner in Gefängnisse gesteckt.

Am deutlichsten ist das in Venezuela, wo seit den jüngsten Wahlen Oppositionskräfte im Parlament dominieren. Der chavistische Präsident Nicolás Maduro regiert dort aber einfach stur weiter – mit Ermächtigungsgesetzen, Haftstrafen für politische Gegner und unverhohlenen Drohungen mit dem Militär.