Der sozialistische Parteichef Pedro Sánchez während der entscheidenden Sitzung des spanischen Parlaments © Javier Lizon/EPA/dpa

Der spanische Sozialist Pedro Sánchez (PSOE) ist mit seiner Kandidatur für das Amt des Regierungschefs im ersten Anlauf klar gescheitert. Der 44-Jährige erhielt im Parlament nur die Stimmen seiner Sozialistischen Partei (PSOE) und der liberalen Ciudadanos (Bürger), mit denen er einen Regierungspakt geschlossen hatte. Die konservative Volkspartei (PP), die Linkspartei Podemos (Wir können) sowie die regionalen und kleineren Parteien stimmten fast geschlossen gegen ihn.

Der PSOE-Parteichef erhielt von den insgesamt 350 Abgeordneten nur 130 Stimmen. 219 Parlamentarier stimmten – bei einer Enthaltung – gegen ihn. Für eine erfolgreiche Wahl hätte Sánchez die absolute Mehrheit benötigt.

Nun wird am kommenden Freitag eine zweite Abstimmung stattfinden, bei der Sánchez eine einfache Mehrheit ausreichen würde. Allerdings kann sich der Sozialist nach dem bisherigen Szenario wenig Hoffnung machen. Wenn er auch im zweiten Durchgang scheitert, werden am 26. Juni Neuwahlen fällig, sofern bis zum 2. Mai kein neuer Ministerpräsident gewählt wird.

Sánchez war von König Felipe VI. als Kandidat vorgeschlagen worden, nachdem der bisherige Ministerpräsident Mariano Rajoy auf eine Kandidatur für eine weitere Amtszeit verzichtet hatte. Der konservative Regierungschef hatte mit seiner PP bei der Wahl am 20. Dezember 2015 zwar die meisten Sitze gewonnen. Er fand aber keinen Bündnispartner, der ihm zu einer Mehrheit verholfen hätte. Rajoy ist nur noch geschäftsführend im Amt.

Die Konservativen und Podemos hatten es zuvor strikt abgelehnt, Sánchez zum neuen Regierungschef zu wählen. Rajoy warf dem Sozialisten vor, die Spanier an der Nase herumgeführt zu haben. Die Kandidatur sei ein reines Propagandamanöver gewesen. "Das hier ist nicht seriös", sagte Rajoy. "Was Sie hier aufführen, ist nichts als Theater."

Der Podemos-Parteichef Pablo Iglesias hielt Sánchez vor, sich mit den Liberalen einen falschen Partner ausgesucht zu haben. Sánchez sagte: "Eine Regierung der Linksparteien hätte im Parlament keine Mehrheit."

Sánchez hatte dem Parlament am Dienstag sein Programm vorgestellt und eine Abkehr von der Politik der Regierung Rajoys versprochen. Er tritt für eine Verfassungsreform ein und will mit der EU über eine Lockerung der Defizitziele verhandeln.