Die mazedonische Polizei hat 170 Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak von Griechenland einreisen lassen und ihnen damit erlaubt, ihre Reise Richtung Mitteleuropa fortzusetzen. Nach Angaben der griechischen Polizei war der Übergang von Idomeni für jeweils zwei Stunden von Mitternacht bis zwei Uhr in der Nacht sowie von sieben bis neun Uhr morgens geöffnet.

Auf der griechischen Seite der Grenze harren weiterhin Tausende Menschen aus. Griechische Medien schätzten die Zahl der bei Idomeni wartenden Migranten auf mehr als 10.000. Täglich treffen Hunderte ein, darunter viele Familien mit kleinen Kindern. Zwei offizielle Lager sind so voll, dass Tausende Personen Zelte in Feldern in der Gegend aufgeschlagen haben. Die Versorgung dieser Menschen wird immer schwieriger. Ihre Gesundheit – vor allem die der Kinder – sei in Gefahr, warnten mehrere humanitäre Organisationen.

Ihnen will nun auch die Europäische Union helfen und dafür Geld zur Verfügung stellen. In diesem Jahr sollen 300 Millionen Euro und bis Ende 2018 insgesamt 700 Millionen Euro für humanitäre Hilfe bereitgestellt werden. Seitens Brüssels hieß es, die Mittel sollten nicht nur Griechenland, sondern auch anderen EU-Staaten zugutekommen. Um die Nothilfe zu ermöglichen, wurden der bestehende Haushalt umgeschichtet und Mittel, die eigentlich für humanitäre Hilfe außerhalb der EU vorgesehen waren, nicht eingesetzt.

Mazedonische Grenze - "Wir haben einen zweiten Krieg gefunden" Tausende Flüchtlinge sind an der Grenze zu Mazedonien gestrandet. Ein Syrer berichtet, wie er die Situation dort erlebt.

Der Druck auf die geschlossene griechisch-mazedonische Grenze dürfte allerdings nicht nachlassen. Nach Angaben der Vereinten Nationen warten derzeit 24.000 Flüchtlinge in Griechenland auf die Weiterreise. Am Vormittag kamen allein in der griechischen Hafenstadt Piräus mehr als 1.000 Migranten von den Ägäis-Inseln an. Sie hatten in den vergangenen Tagen von der türkischen Küste auf die griechischen Inseln im Osten des Mittelmeers übergesetzt.

Angesichts dieser Lage fordert die Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl "ein öffentliches Signal von der Bundesregierung, das europaweit wirkt": Deutschland, sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt, sollte in Griechenland gestrandete Flüchtlinge direkt aufnehmen. "Deutschland muss eine Vorreiterrolle übernehmen, aber andere EU-Staaten müssen nachziehen." Nur so könne eine humanitäre Katastrophe in dem Grenzgebiet zwischen Griechenland und Mazedonien verhindert werden.

Die Flüchtlingspolitik wird an diesem Mittwoch auch die Spitzen von CDU und CSU beschäftigen. Am Mittag wollen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer im Kanzleramt treffen. An der Beratung sollen auch der Fraktionsvorsitzende Volker Kauder (CDU), CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt, Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) teilnehmen.

Merkel hat vor den EU-Gipfeln im März bereits klargemacht, dass sie weiterhin europäische Lösungen zur Verringerung der Flüchtlingszahlen anstrebt. Die CSU verlangt dagegen unter anderem ein nationales Limit von 200.000 Flüchtlingen pro Jahr und ein schärferes Vorgehen an der deutsch-österreichischen Grenze. Merkel sagte dazu in einem Interview mit der in Magdeburg erscheinenden Volksstimme: "Wir müssen dauerhafte, auch morgen noch vertretbare Lösungen finden – und vor allem Lösungen, die nicht einseitig etwas festlegen, was andere Länder dann ertragen müssen."