Frankreichs Präsident François Hollande und Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Nayef im März 2016 © Stephane de Sakutin/AFP/Getty Images

Darf man heute im Land der Menschenrechte ungestört dem saudischen Innenminister, dem Vollstrecker der Todesstrafe in seinem Land, den Ehrenlegionstitel verleihen? Noch dazu nach 70 Hinrichtungen seit Jahresbeginn? Aber ja. So geschehen am vergangenen Freitag, als der französische Präsident François Hollande den saudischen Thronfolger und Innenminister Mohammed ibn Naif im Elysee-Palast empfing und ihm mit dem Ehrenlegionstitel die höchste Auszeichnung der französischen Nation verlieh.

Die Umstände waren dabei höchst merkwürdig: Der Elysee-Palast hatte den Empfang zuvor nicht wie üblich öffentlich bekanntgegeben, erst am Sonntag konnte die französische Nachrichtenagentur AFP die Ehrenverleihung bestätigen. Doch auch dann wäre noch Zeit für Protest gewesen. 

Über die sozialen Medien kam er dann auch: "Beklagt sich Hollande über die massiven Menschenrechtsverletzungen bei ibn Naif? Nein, er verleiht ihm die Ehrenlegion", twitterte Bénédicte Jeannerod von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Als einziger namhafter Politiker verpasste ausgerechnet der rechtsextreme Florian Philippot nicht die Gelegenheit: "Muss man von Unehrenlegion sprechen? Unterwerfung der Eliten", twitterte der Vize-Präsident des Front National.

Die Episode wirft ein Schlaglicht auf eine müde Nation: Der Präsident zu müde, die außenpolitische französische Staatsräson und sein Engagement für Saudi-Arabien öffentlich zu rechtfertigen. Die Öffentlichkeit zu müde, den offensichtlichen Widerspruch zwischen Staatsräson und Menschenrechtsprinzipien gebührend aufzuspießen.

Dabei befindet sich Frankreich in Syrien und im Irak im Krieg. Dabei müssen Präsident und Öffentlichkeit gerade jetzt auf Frankreichs außenpolitische Glaubwürdigkeit im Nahen Osten achten. Was für eine Selbstaufgabe, wenn Frankreich ein solches Thema dann einer amerikanischen Menschenrechtsorganisation und den eigenen Rechtsextremisten überlässt!