"Islamischer Staat" - Großoffensive der irakischen Armee auf Mossul Die irakische Armee will noch in diesem Jahr die Millionenstadt vom IS zurückerobern. Zunächst konzentriert sie sich auf die Einnahme der Umgebung.

Glaubt man der irakischen Armeeführung, so werden ihre Panzer in naher Zukunft in Mossul einrollen. Die zweitgrößte Stadt war im Juni 2014 vermeintlich blitzartig von Kämpfern des "Islamischen Staates" eingenommen worden, was eine Massenflucht in Gang setzte und dem IS einen Ruf einbrachte, der an den der Mongolen des 13. Jahrhunderts erinnerte. Nun also soll Mossul befreit werden?

Ankündigungen von Armeeführungen sollte man bekanntlich mit allergrößter Skepsis begegnen. Das gilt ganz besonders für die irakische.

Nachweisbar ist bislang nur Folgendes: Mit Hilfe amerikanischer Luftangriffe haben irakische Einheiten einige Dörfer im Umland Mossuls eingenommen. Teils ohne Widerstand, teils mit Rückzugsgefechten des IS, dessen Kämpfer Öllager in Brand steckten, um US-Kampfbombern die Suche nach Zielen zu erschweren.

Wann und wer tatsächlich gegen den IS auf die Stadt vorrücken wird, ist unklar.

Das Ende des "Kalifats"?

Zur gleichen Zeit gerät das sogenannte "Kalifat" in einer zweiten Stadt unter massiven militärischen Druck. Seit Tagen bombardiert die russische Luftwaffe die syrische Oasenstadt Palmyra, die im vergangenen Mai vom IS erobert wurde. Berichten zufolge sind Pro-Assad-Truppen und angeblich auch russische Spezialeinheiten an den Stadtrand vorgerückt. Unter Berufung auf lokale Quellen meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, der IS habe die rund 15.000 verbliebenen Bewohner aufgefordert, Palmyra aus Sicherheitsgründen zu verlassen.

Mossul und Palmyra – haben diese beiden Offensiven nun das Anfang vom Ende des "Kalifats" eingeläutet?

Rein rechnerisch könnte man das so sehen. Nach Angaben der militärischen Fachzeitschrift IHS Jane’s 360 hat der "Islamische Staat" 2015 rund 15 Prozent und in den ersten drei Monaten dieses Jahres weitere 8 Prozent seines Territoriums in Syrien und dem Irak verloren. Ginge das in diesem Tempo weiter, wäre Ende 2016 vom "Kalifat" nicht mehr viel übrig.

Weitere Attentate in Europa scheinen wahrscheinlich

Hinzu kommen offenbar massivere Nachschub- und Finanzprobleme für den IS, seit Raffinerien, Öl-Nachschubrouten, Gelddepots und andere strategische IS-Ziele beschossen worden sind und das Auftreiben von Spenden zunehmend schwieriger geworden ist. Das Gehalt für Kämpfer mussten die Schatzmeister des "Kalifats" zuletzt halbieren. Ausländische Kämpfer, die deutlich mehr als einheimische bezahlt bekommen, erhalten jetzt nur noch monatlich 400 Dollar.

Allerdings hat der IS in den vergangenen Jahren immer wieder eines bewiesen: Er kann sich jeglichem Druck enorm schnell und effektiv anpassen. Zum Beispiel durch neue Gefechtstaktiken in Syrien und im Irak und durch die Ausweitung seiner Kampfzonen. Dazu zählen Gebietsgewinne im destabilisierten Libyen, neue Propagandamethoden zur verstärkten Rekrutierung in der Sahelzone und häufigere Terroranschläge.

Die westliche Öffentlichkeit – also wir – steht derzeit noch unter dem Schock der Attentate von Brüssel, und man muss annehmen, dass der IS weitere Anschläge in Europa, aber auch in den USA und Russland versuchen wird.