Russland - 22 Jahre Haft für ukrainische Kampfpilotin Nadija Sawtschenko Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Pilotin am Mord der zwei Journalisten in der Ostukraine schuldig ist. Sawtschenko will mit weiteren Hungerstreiks gegen das Urteil demonstrieren.

Die ukrainische Pilotin Nadija Sawtschenko soll für 22 Jahre in Haft – ein Jahr weniger als von der Anklage gefordert. Ein Gericht der südrussischen Kleinstadt Donezk nahe der ukrainischen Grenze verurteilte sie wegen Beihilfe zum Mord an zwei russischen Journalisten. Sie habe die Koordinaten für den Granatenangriff geliefert, bei dem die beiden Reporter getötet wurden, teilte das Gericht mit. Ihre Haftzeit soll sie in einem Arbeitslager verbringen.

Bereits am Montag hatte das Gericht Sawtschenko für schuldig erklärt. Bei der Verkündung des Strafmaßes an diesem Dienstag erzwang die Ukrainerin eine Unterbrechung der Sitzung, weil sie lauthals sang.

Sawtschenko war Ende Juni 2014 in der Ostukraine gefangen genommen worden. Sie kämpfte dort als Teil des Freiwilligenbataillons Aidar, dem unter anderem von Amnesty International Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Die Pilotin hat die Vorwürfe gegen sie zurückgewiesen. Sie gibt an, widerrechtlich von prorussischen Milizen entführt und nach Russland verschleppt worden zu sein.

Als Protest gegen ihre Inhaftierung war Sawtschenko mehrfach in den Hungerstreik getreten, das vorerst letzte Mal Anfang März. Durch einen Trick wurde sie dazu gebracht, zumindest wieder zu trinken. So erwies sich ein Brief des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, der Sawtschenko zum Einlenken bewegt hatte, als Fälschung. Die Anwälte der Pilotin vermuten den russischen Geheimdienst hinter der Aktion. In russischen Medien hatten die Komiker Wladimir Kusnezow und Alexej Stoljarow behauptet, sie hätten den Anwälten die Botschaft Poroschenkos untergeschoben.

Russland steht wegen des Prozesses international in der Kritik. Die ukrainische Regierung etwa wirft der russischen Führung vor, die Offizierin entführt zu haben und fordert ihre Freilassung. Die Bundesregierung hatte sich dem angeschlossen. Bei seinem Besuch in Moskau in dieser Woche will Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier den Prozess und das Urteil gegen Sawtschenko zum Thema seiner Gespräche mit Amtskollege Sergej Lawrow machen. Intellektuelle aus ganz Europa hatten Anfang März eine Petition für die Freilassung Sawtschenkos gestartet. 

Die ukrainische Regierung hat sich inzwischen für einen Gefangenenaustausch ausgesprochen, um Sawtschenko aus russischer Haft zu befreien. Im Gegenzug für ihre Überstellung will Kiew zwei russische Gefangene frei lassen. Einen entsprechenden Vorschlag hat Präsident Poroschenko dem Kreml inzwischen unterbreitet.