Angesichts der dramatischen Lage an der griechisch-mazedonischen Grenze hat Österreichs Außenminister Sebastian Kurz den Druck auf Athen erhöht. Flüchtlinge müssten in den Registrierungszentren besser versorgt werden. Gleichzeitig müsse die griechische Regierung dafür sorgen, dass Flüchtlinge nicht einfach weiterreisen dürfen. "Wir müssen das Durchwinken von Griechenland nach Norden stoppen", sagte Kurz der Süddeutschen Zeitung. Es könne nicht sein, "dass die, die es bis nach Griechenland schaffen, automatisch weiterreisen dürfen".

Mazedonische Grenze - "Wir haben einen zweiten Krieg gefunden" Tausende Flüchtlinge sind an der Grenze zu Mazedonien gestrandet. Ein Syrer berichtet, wie er die Situation dort erlebt.

Zwar strebe auch Wien eine europäische Lösung gemeinsam mit der Türkei an, versicherte Kurz. Doch er warnte davor, sich davon weniger schreckliche Bilder zu erwarten als jene, die derzeit von der mazedonisch-griechischen Grenze kämen. Es sei moralisch nicht hochwertiger, wenn die Flüchtlinge in der Türkei statt in Griechenland oder Mazedonien aufgehalten würden.

Kritik an der von Wien initiierten Konferenz mehrerer Balkanländer und der weitgehenden Schließung der sogenannten Balkanroute für Flüchtlinge wies Kurz zurück. Die Öffnung der Grenzen im Sommer 2015 und das "Durchwinken" der Flüchtlinge nach Mitteleuropa seien ein "schwerer Fehler" gewesen, der nun schnellstens korrigiert werden müsse.

Wo in Griechenland Flüchtlinge festsitzen

An vielen Orten im Land sind provisorische Aufnahmelager entstanden.

Kurz äußerte die Hoffnung auf einen geringeren Andrang von Flüchtlingen, wenn sich diese ihr Zielland nicht mehr aussuchen könnten. Diejenigen, die nicht Schutz, sondern ein besseres Leben suchten, wollten nicht unbedingt in einem Lager auf Lesbos, sondern in Mitteleuropa leben. Niemand habe aber das Recht, sich auszusuchen, wo er in der EU einen Asylantrag stelle.

Auch der kroatische Premierminister Tihomir Orešković verteidigte die verschärften Grenzkontrollen und Grenzschließungen auf dem Balkan. "Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien ist der Transitverkehr deutlich zurückgegangen", sagte er der Bild.

"Davon hat auch Deutschland profitiert: Es kommen nicht mehr Tag für Tag 3.000 Flüchtlinge über Österreich nach Deutschland, sondern weniger als 500." Zugleich meldete Orešković Zweifel an einer Flüchtlingsverteilung per Quote in der EU an: "Eine feste Quote birgt jedoch das Problem, dass man die Flüchtlinge nicht festhalten kann in einem Land, in dem sie nicht bleiben wollen."