Polens Ministerpräsidentin Beata Szydło hat sich für eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes ausgesprochen. Die nationalkonservative Politikerin sagte in einem Radiointerview, sie unterstütze die Pro-Life-Bewegung und den Gesetzesvorschlag der Volksinitiative Pro - Prawo do Życia (deutsch: Für ein Recht auf Leben), die Abtreibungen außer bei Gefahr für das Leben der Frau verbieten lassen will. Schwangerschaftsabbrüche sollen demnach mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

Das vergleichsweise strenge polnische Abtreibungsgesetz erlaubt derzeit Schwangerschaftsabbrüche bei Missbildung oder unheilbarer Krankheit des Fötus, bei Gefahr für Leben oder Gesundheit der Frau sowie nach einer Vergewaltigung oder Inzest. Eine Bürgerinitiative sammelt derzeit die erforderlichen 100.000 Unterschriften, um die Volksinitiative beim Unterhaus des Parlaments, dem Sejm, einreichen zu können.

Szydło betonte im staatlichen Hörfunk, die Abgeordneten ihrer Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) sollten bei diesem Thema frei nach ihrem Gewissen entscheiden. Für die Abtreibungsdiskussion brauche es politische Klugheit und die "vernünftige Stimme der Bischofskonferenz".

Das Präsidium der Bischofskonferenz fordert in einem am Mittwoch veröffentlichten Hirtenbrief einen "vollen rechtlichen Schutz von ungeborenem Leben". Man dürfe sich nicht mit der jetzigen Gesetzeslage aus dem Jahr 1993 zufrieden geben, die in bestimmten Fällen Abtreibungen zulasse. Der Hirtenbrief wird am Sonntag aus Anlass des "Tages der Heiligkeit des Lebens" landesweit in den Gottesdiensten verlesen.

2014 wurden in Polen nach Angaben des staatlichen Gesundheitsfonds NFZ 1.812 Abtreibungen registriert. Schätzungen von Frauenrechtlerinnen zufolge treiben jährlich rund 100.000 Polinnen illegal ab, viele davon in der Slowakei und in Tschechien.

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