Russlands Präsident Wladimir Putin © Mikhail Klimentyev/Reuters

Der von Kremlchef Wladimir Putin angekündigte Teilabzug russischer Truppen aus Syrien stößt international weitgehend auf Wohlwollen. US-Präsident Barack Obama begrüßte den Schritt in einem Telefonat mit Putin, beklagte allerdings auch anhaltende sporadische Verstöße gegen die seit Ende Februar geltende Waffenruhe. Auch der UN-Sicherheitsrat wertete den Moskauer Teilrückzug als "positiv".

"Wenn wir sehen, dass Truppen sich zurückziehen, bedeutet dies, dass der Krieg einen anderen Schritt geht, deshalb ist das gut", sagte Ismael Gaspar Martins, der angolanische UN-Botschafter und derzeit Präsident des Sicherheitsrats.

Aus dem Weißen Haus verlautete, in dem Telefonat zwischen Obama und Putin sei es um "nächste Schritte" zur Umsetzung der Feuerpause in Syrien gegangen. Obama habe den Rückgang der Gewalt gewürdigt. Zugleich habe er Putin gedrängt, die syrische Regierung dazu anzuhalten, von Offensivaktionen abzusehen, die die brüchige Feuerpause untergraben könnten. Dem Kreml zufolge sei das Gespräch "sachbezogen und offen" verlaufen. Putin habe seinen Amtskollegen über seine Abzugspläne informiert und betont, wie wichtig eine Abstimmung zwischen Washington und Moskau sei, "um die Feuerpause zu wahren, die Lieferungen humanitärer Hilfe an belagerte Siedlungen und einen effektiven Kampf gegen Terrorgruppen" zu gewährleisten.

Syrien - Putin ordnet Teilabzug aus Syrien an

Mit der überraschenden Maßnahme, die Putin am Montagabend angekündigt hatte, will der russische Präsident nach eigenen Angaben den politischen Gesprächen über die Zukunft des Bürgerkriegslandes Schub geben. Allerdings ließ er offen, wie viele seiner Soldaten Syrien tatsächlich verlassen sollten. Klar machte er nur, dass das russische Militär die Luftwaffenbasis in Hmeimim und den Marinestützpunkt in Tartus weiter nutzen will.

Auch Assad machte deutlich, dass das russische Militär weiter im Land präsent bleibe. Ein Vollabzug der Truppen sei nicht vorgesehen, sagte er über seine Staatsmedien. Die Reduzierung der russischen Truppenstärke entspreche der Situation vor Ort und der andauernden Eindämmung der Kampfhandlungen. Assad würdigte die Zusammenarbeit des syrischen und des russischen Militärs. Diese habe "Siege über den Terrorismus" gebracht und das Land wieder sicher gemacht.

Moskau ist einer der engsten Verbündeten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und hatte diesen seit Herbst 2015 massiv mit Luftangriffen unterstützt. Dank der Beteiligung des russischen Militärs sei es den syrischen Streitkräften gelungen, eine "grundlegende Wende im Kampf gegen den internationalen Terrorismus zu erreichen und die Initiative in fast jeder Hinsicht zu übernehmen", sagte Putin. Daher habe er den Abzug angeordnet.

Syrische Opposition skeptisch über Putin-Plan

In Genf reagierte die syrische Opposition verhalten auf diese Ankündigung. Sie teilte mit, dass sie zunächst abwarten wolle, wie Putin seine Ankündigung konkret umsetzen werde. "Wir müssen die Art dieser Entscheidung und ihre Bedeutung überprüfen", sagte ein Sprecher des Hohen Verhandlungskomitees (HNC). Falls der Schritt dafür sorge, dass alle russischen Truppen aus Syrien entfernt würden, wäre das positiv. Zugleich mahnte er Putin, seinen Worten Taten folgen zu lassen, indem er "sagt, dass er an der Seite des syrischen Volkes steht, nicht an der Seite der syrischen Diktatur".

Derzeit verhandeln Mitglieder der syrischen Regierung und Opposition in Genf über einen möglichen Friedensplan. An diesem Dienstag will der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura mit Vertretern der Opposition zusammenkommen, nachdem er sich zuvor mit der Delegation der Regierung getroffen hat. Die Konfliktparteien sind tief zerstritten darüber, welche Rolle Assad künftig spielen soll. De Mistura mahnte deshalb Ernsthaftigkeit an und nannte die Verhandlungen den "Moment der Wahrheit". Ein erneutes Scheitern der Gespräche wie im Februar könne den Konflikt noch verschlimmern, warnte er. Der einzige "Plan B" sei eine Rückkehr zum Krieg.

In Syrien herrscht seit fünf Jahren ein grausamer Bürgerkrieg. Fast die Hälfte der einstigen 23 Millionen Einwohner des Landes wurde vertrieben. Mehr als 4,8 Millionen Menschen flohen ins Ausland. Zu den Leidtragenden gehören laut dem UN-Hilfswerk Unicef vor allem Kinder.