Zwei Syrerinnen haben heimlich den Alltag ihrer Heimatstadt Rakka gefilmt, wo der "Islamische Staat" (IS) herrscht. Aus der Region gibt es nur wenige Aufnahmen, etwa die der Gruppe Raqqa is being slaughtered silently (RIBSS). Meist sind es Propagandavideos des IS. Den Film der Frauen veröffentlichte nun der schwedische Fernsehkanal Expressen TV. Darin zeigen sie, wie schwer das Leben unter dem IS besonders für Frauen zu ertragen ist.

Eine der Frauen, die sich Om Mohammad nennt, sagt: "Ich will die Vollverschleierung endlich wieder loswerden und die Dunkelheit, die uns umhüllt." In Rakka, der inoffiziellen IS-Hauptstadt, dürfen Frauen nur auf die Straße gehen, wenn sie von einem Mann oder einer anderen Frau begleitet werden. Zusätzlich müssen sie einen Nikab tragen, einen Gesichtsschleier. In dem Film ist zu sehen, dass auch Frauengesichter auf Produktverpackungen geschwärzt werden. "Musstet ihr die Gesichter übermalen?", fragt eine der Frauen. "Ja, mussten wir."

Die Frauen berichten in der Aufnahme davon, wie sie Hinrichtungen auf den Straßen von Rakka sahen. So sei ein Mann erst erschossen und anschließend geköpft worden. Sein Kopf sei auf einem Pfahl in der Stadt präsentiert worden. Auch filmten sie einen Platz, auf dem Frauen regelmäßig gesteinigt werden sollen – etwa wenn eine Frau eine außereheliche Beziehung geführt hat. Der Gouverneur wirft dann den ersten Stein.

Heimlich haben die Frauen auch ein Gespräch mit einem Taxifahrer gefilmt. Der berichtet davon, dass der IS ihn gezwungen habe, einen Nikab für seine Tochter zu kaufen. Sie drohten, das Mädchen auszupeitschen. Dabei sei sie noch ein Kind gewesen, sagt der Fahrer. Währenddessen läuft im Radio ein Lied, in dem IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi gehuldigt wird.

Die Terroristen des IS nahmen die Stadt Rakka im Januar 2014 ein. In den vergangenen Wochen verloren sie mehr und mehr Gebiete. Ein Informant sagte dem britischen Sender Sky News, dass IS-Mitglieder ihren Abzug aus Rakka vorbereiten würden. In der Stadt fürchteten die Terroristen um ihr Leben. Sie errichteten Kontrollpunkte, an denen sie Syrern ihre Pässe abnehmen, berichten die Frauen. Damit würden die meist ausländischen Terroristen dann unter falschem Namen fliehen.