Warum warf Abdeslam den Sprengstoffgürtel in den Müll?

Offenbar hatte Abdeslam geplant, sich mit den anderen Attentätern in Paris in die Luft zu sprengen. Das sagte Abdeslam belgischen Ermittlern zwei Tage nach seiner Festnahme. Die französische Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der zehn Tage nach den Pariser Anschlägen gefundene Sprengstoffgürtel zu Abdeslam gehört. Demnach sei der Verdächtige mit den anderen Attentätern am 13. November mit dem Renault Clio zum Fußballstadion Stade de France gefahren. Während des Länderspiels Frankreich – Deutschland sollte dort ein Massaker angerichtet werden. Auch Abdeslam selbst habe sich im Stadion in die Luft sprengen wollen, sich dann aber doch anders entschieden. Das Motiv für seinen Sinneswandel bleibt unklar. Zudem warnte der französische Staatsanwalt Molins, dass die Aussagen Abdeslams "mit Vorsicht" zu genießen seien.

Wird Abdeslam jetzt an Frankreich ausgeliefert?

Frankreich fordert von den belgischen Behörden, dass Abdeslam möglichst schnell nach Frankreich ausgeliefert wird. Nach Angaben der Regierung in Paris müsse spätestens in 60 bis 90 Tagen über seine Überstellung nach Frankreich entschieden werden, da ein europäischer Haftbefehl gegen Abdeslam vorliege. Dieser wehrt sich gegen die drohende Auslieferung. Sein Verteidigter kündigte an, die Auslieferung abzulehnen. Abdeslam kooperiere mit der belgischen Justiz. Die belgische Staatsanwaltschaft hat bereits Anklage gegen Abdeslam wegen Mittäterschaft an terroristischen Morden erhoben.

Allerdings sagte der Justizminister Belgiens, Koen Geens, dass es sich bei der Auslieferung bloß um eine Formalie handle. Der Premier Charles Michel deutete an, gegen das Auslieferungsgesuch Frankreichs gebe es keine politischen Einwände. Wegen rechtlicher Regelungen könne es aber noch einige Wochen dauern.

Sind nun alle Verdächtigen von den Pariser Anschlägen gefasst?

Zumindest ist Abdeslam offenbar der einzige noch lebende direkte Täter der Pariser Anschläge. Die anderen bisher bekannten Männer, die den Konzertsaal Bataclan, mehrere Bars sowie das Stade de France angriffen, sind tot. Nicht zuletzt wegen der lange Zeit erfolgreichen Flucht von Abdeslam gehen Ermittler allerdings davon aus, dass der Terrorverdächtige auf weitere Unterstützer zählen konnte, die noch nicht gefasst wurden. "Wir sind mit extrem großen Netzwerken konfrontiert", sagte Frankreichs Präsident François Hollande. Die Zahl derjenigen, welche die Anschläge im November vorbereitet haben oder sich in anderer Form beteiligten, sei größer als angenommen. 

Momentan wird noch nach zwei Verdächtigen gefahndet, die an den Anschlägen beteiligt gewesen sein sollen. Einer von ihnen ist Mohamed Abrini, der andere Soufiane Kayal, allerdings ist dessen Identität nicht genau geklärt. Die internationale Polizeibehörde Interpol rief alle Mitgliedsländer zu erhöhter Wachsamkeit bei Grenzkontrollen auf, um eine Flucht möglicher Komplizen zu verhindern.