Noch ist der Kampf um die Präsidentschaftskandidaturen nicht endgültig entschieden, vor allem nicht in der Republikanischen Partei. Aber nach dem Super Tuesday zeichnet sich ab, dass im Herbst die Demokratin Hillary Clinton und der Republikaner Donald Trump um den Einzug ins Weiße Haus kämpfen werden.

Welch ein Paradox – treffender noch: welch eine Schizophrenie. Ausgerechnet die beiden Bewerber, die unter Wählern am unbeliebtesten sind und die für am wenigsten wählbar gelten, haben die besten Aussichten, zu den Präsidentschaftskandidaten ihrer Parteien gekürt zu werden.

Laut einer Umfrage der Quinnipiac University von Anfang Februar haben nur 39 Prozent der Amerikaner eine gute Meinung von Hillary Clinton, 56 Prozent eine eher schlechte. Schlimmer noch schneidet Donald Trump ab: Über ihn denken nur 34 Prozent der Befragten positiv, 59 Prozent lehnen ihn ab. Die meisten Amerikaner wünschen sich einen Präsidenten, der ehrlich und vertrauenswürdig ist und neue Ideen in die Politik bringt. Sie wollen also das Gegenteil von Clinton und Trump.

Trotzdem könnten ausgerechnet diese Unbeliebten die Wahl zum US-Präsidenten unter sich entscheiden. Sitzt einer von beiden in knapp einem Jahr im Oval Office und führt die Supermacht? Nach dem gegenwärtigen Stand der Vorwahlen sieht es ganz danach aus. Das ist ein schwerer Fehler ihrer Parteien, denn Demokraten und Republikaner haben es sträflich versäumt, rechtzeitig bessere Kandidaten aufzubauen und stark zu machen.

Natürlich kann man Trump und Clinton nicht auf dieselbe Stufe stellen. Auch sind die Gründe, warum sich ihre jeweiligen Parteien und Delegierten für sie entscheiden, höchst unterschiedlich.

Trump ist ein gewissenloser Hallodri, ein Sprücheklopfer ohne jede politische Erfahrung. Aber er ist die logische Konsequenz einer ideologisierten und extrem nach rechts gerückten Republikanischen Partei, die Kompromisse für Teufelszeug und die Hauptstadt Washington für die Hölle hält.

Bereits kurz nach der Wahl von Barack Obama zum amerikanischen Präsidenten ließen sich die Republikaner von der ultrarechten Tea-Party-Bewegung in Geiselhaft nehmen. Die Partei wurde zur Plattform für politische Kreuzzügler und Obama-Hasser. Jetzt wird das Republikaner-Establishment alles versuchen, um Trump zu stoppen, wird alles aus der Schublade kramen, was sich gegen das Großmaul und den notorischen Lügner vorbringen lässt. Seine Pleiten als Immobilienmagnat, sein rabiates Geschäftsgebaren, seine politische Wetterwendigkeit.

Doch dafür könnte es zu spät sein. Außerdem ist der innerparteiliche Konkurrent Ted Cruz, der Ideologe aus Texas, um keinen Deut besser. Und der Dritte im Bunde, Marco Rubio aus Florida, mag zwar sympathischer sein, ist aber ein gefährlicher außenpolitischer Falke. Außerdem konnte er in den Vorwahlen bislang nur einen einzigen Staat gewinnen.