Im Rennen um die Präsidentschaftskandidaturen der beiden großen US-Parteien heißen die Favoriten auch nach dem Super Tuesday Hillary Clinton und Donald Trump. Die Demokratin hat die Vorwahl in mindestens sieben Bundesstaaten, der umstrittene Republikaner in mindestens sechs gewonnen. Gestoppt wurde Trumps Siegesserie in Texas und Oklahoma: Dort setzte sich Senator Ted Cruz durch. Der dritte republikanische Kandidat Marco Rubio erzielte seinen ersten Vorwahlsieg in Minnesota. Demokrat Bernie Sanders eroberte seinen Heimatstaat Vermont sowie Oklahoma, Colorado und Minnesota. 

Noch sind weder Clinton noch Trump offiziell als Kandidaten für die Nachfolge von Barack Obama nominiert. Doch beide stellen sich schon auf den Hauptwahlkampf ein und lieferten sich in ihren Siegesreden am Dienstagabend bereits ein verbales Fernduell.

"Wir haben noch viel Arbeit. Diese Arbeit besteht nicht darin, Amerika wieder großartig zu machen", sagte Clinton mit Blick auf Trumps Wahlkampfmotto. "Amerika hat nie aufgehört, großartig zu sein", fuhr sie fort. Angesichts der tiefen Spaltung des Landes müssten die USA aber wieder "heil" gemacht werden. "Ich glaube, was wir heute in Amerika brauchen, ist mehr Liebe und Freundlichkeit", sagte sie bei ihrer Wahlparty in Miami. Namentlich erwähnte sie Trump dabei nicht, fügte aber hinzu: "Es stand noch nie so viel auf dem Spiel wie an diesem Abend, die Rhetorik auf der anderen Seite hat jedoch noch nie einen solchen Tiefpunkt erreicht."

"Ich will die USA retten"

Danach teilte auch Trump gegen seine Widersacherin aus. Clinton sei Teil des politischen Establishments, das die Amerikaner im Stich gelassen hat, sagte er bei einer Pressekonferenz in seinem luxuriösen Golfclub Mar-a-Lago in Florida. "Sie ist schon so lange dabei." Und kurze Zeit später sagte der Milliardär vor seinen Anhängern: "Amerika wieder großartig zu machen ist viel besser als Amerika wieder heil zu machen."

Trump, der wegen seiner fremdenfeindlichen Äußerungen umstritten und beim Establishment seiner Partei äußerst unbeliebt ist, wandte sich auch gegen die verstärkten Bemühungen der republikanischen Führung, ihn als offiziellen Kandidaten zu verhindern. Er sei "ein Einiger", der alsbald die internen Streitereien in seiner Partei hinter sich lassen will, um sich auf Clinton konzentrieren zu können. Überhaupt habe er "die republikanische Partei erweitert", indem er für eine höhere Wahlbeteiligung in den Vorwahlstaaten gesorgt habe. "Ich denke, wir werden mehr Leute mitnehmen und vereinter sein", sagte er. Der Immobilienmagnat fügte hinzu, dass er sich zu der Präsidentschaftsbewerbung verpflichtet gefühlt habe, um die Vereinigten Staaten zu retten. "Dieses Land geht den Bach runter", sagte er in seiner Rede in Florida.

Cruz und Rubio sehen sich als Alternative

Noch hoffen viele in der Grand Old Party auf den Trump-Konkurrenten Ted Cruz, der in seinem Heimatstaat Texas und in Oklahoma reüssieren konnte. Der Senator empfahl sich als einzige wahre Alternative zu Trump: "Ich bin der einzige Präsidentschaftsbewerber, der ihn stoppen kann." Eine Kandidatur des Milliardärs wäre ein "Desaster für die Republikaner, die Konservativen und die Nation".

Mit Blick auf Marco Rubio sagte Cruz, die Konkurrenz solle daher nun "andächtig überlegen", ob ihre Kampagne noch eine Zukunft habe. Der Senator von Florida allerdings konnte mit Minnesota seinen ersten Vorwahlsieg feiern und präsentierte sich ebenfalls als Alternative zu Trump. "Die Zukunft der konservativen Bewegung steht auf dem Spiel", sagte er.

Clinton und Trump mit den meisten Mandaten

Der Super Tuesday gilt als Meilenstein im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur von Demokraten und Republikanern. Beide Parteien vergaben bei den Abstimmungen bis zu ein Viertel ihrer Delegiertenstimmen für die Nominierungsparteitage im Juli. Am 8. November wählen die USA dann einen neuen Präsidenten. Der Demokrat Barack Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten.

Clinton errang am Dienstag mindestens 334 von 865 Wahlmänner und Wahlfrauen und konnte damit ihren Vorsprung vor Sanders ausbauen. Die frühere Außenministerin verfügt nun über insgesamt 882 Delegierte, Sanders über 232. Für die endgültige Nominierung zum offiziellen Kandidaten sind bei den Demokraten insgesamt 2.383 Mandate nötig. Die Partei der Republikaner vergab am Super Tuesday auf einen Schlag 595 Stimmen – fast die Hälfte der 1.237 Mandate, die für eine offizielle Nominierung nötig sind. Trump gewann davon 139, Cruz 52 und Rubio 25.