Nur der Stimme konnte man die Anstrengung der letzten Tage anhören. Ansonsten zeigte sich Hillary Clinton am Wochenende nach einem fast überraschend deutlichen Sieg in South Carolina mit neuer Energie. Es war der Erfolg, den sie brauchte, um den Zweiflern den Wind aus den Segeln zu nehmen. "Jetzt", rief sie ihren Unterstützern mit Blick auf Dienstag zu, "wird es Zeit, diese Kampagne auf die nationale Bühne zu hieven".

Tatsächlich bleibt den Kandidaten keine Zeit zum Durchatmen: Heute ist bereits Super Tuesday. In zwölf Staaten wird abgestimmt, nicht selten bringt die Masse der Vorwahlen eine frühe Vorentscheidung darüber, wer nun wirklich für die Parteien in das Rennen um das Weiße Haus geht. Kleine Vorsprünge werden innerhalb eines Tages schnell zu unüberwindbaren Gräben. "Alles passiert plötzlich gleichzeitig", sagt Jamie Carson, Politikwissenschaftler an der Universität von Georgia.

Zum ersten Mal geht es für die Kandidaten nicht darum, nur jene Wähler einer bestimmten Gruppe eines Bundesstaates zu gewinnen – etwa, indem man in Michigan über die Autoindustrie oder in Kansas über die Landwirtschaft spricht –, sondern darum, den Massengeschmack auch aus der Ferne zu treffen. Der Super Tuesday, heißt es, sei ein Monster, das kaum zu zähmen sei. Kein Kandidat kann in den Tagen vor den Wahlen in allen wichtigen Staaten selbst die Hände schütteln, sondern muss sich auf lokale Politiker, Wahlkampfteams und die Wirkung von Werbespots verlassen. Kandidaten mit viel Geld und einer gut geölten Wahlkampfmaschine haben einen Vorteil. Wer nicht vorbereitet ist, dessen Kampagne ist im Zweifel finanziell am Ende, bevor die Staaten am Dienstag die Wahllokale schließen.

Die Kandidaten der Republikaner kämpfen heute um die Stimmen von 595 Delegierten – knapp die Hälfte der 1.237 Delegierten, die nötig sind, um die Vorwahlen zu gewinnen. Bei den Demokraten werden auf einen Schlag 1.004 der 2.383 Delegierten verteilt, die die Nominierung sichern. Weil die Zahl der Delegierten pro Staat stark schwankt, richten sich die Augen am Dienstag vor allem auf bevölkerungsreiche Bundesstaaten wie Texas, in dem alleine 155 republikanische und 252 demokratische Parteimitglieder zu gewinnen sind. Auch Georgia und Massachusetts mit 116 und Virginia mit 110 Delegierten können das Rennen beeinflussen. Bis auf wenige Ausnahmen werden die Delegierten proportional verteilt – ein guter zweiter Platz bedeutet deshalb nicht zwangsläufig das Aus.

Was wird bei den Demokraten wichtig?

Hillary Clinton geht mit einem saftigen Vorsprung in die Super-Vorwahlen. Sie konnte bereits mehr als 500 Delegierte hinter sich versammeln, während Sanders bislang trotz der Euphorie seiner Anhänger auf weniger als 100 kommt. Das liegt vor allem an jenen rund 500 demokratischen sogenannten Superdelegierten, die anders als die übrigen frei in ihrer Entscheidung sind und die sich zum Großteil bereits offen für Hillary Clinton ausgesprochen haben. Für Sanders werde es weniger um einen Punktsieg gehen, sondern vor allem darum, seine Bewegung am Leben zu erhalten, sagt der Politikwissenschaftler Michael Lynch. Das wird ihm nur gelingen, wenn er in jenen Staaten überraschen kann, in denen viele ihn längst abgeschrieben haben und Clinton schlechter abschneidet als erwartet. Sollte er etwa Arkansas gewinnen oder zumindest nur knapp verlieren, wäre das eine Sensation. Hier war Bill Clinton Gouverneur, bevor er ins Weiße Haus gewählt wurde, die Clintons gehören entsprechend zum Inventar des Bundesstaates.

Eine solche Überraschung allerdings dürfte nach der deutlichen Niederlage am Samstag schwer werden. Wie South Carolina liegt auch der Großteil der Bundesstaaten, in denen heute gewählt wird, im Süden des Landes, der Anteil der afro-amerikanischen Bevölkerung ist größer als in Staaten wie New Hampshire. Dass sich die black community in der Post-Obama-Ära fast geschlossen hinter Hillary Clinton versammelt hat, zeigte sich bereits am Samstag. In South Carolina holte Clinton fast 80 Prozent der afro-amerikanischen Stimmen. Einen Sieg hat der 74-Jährige heute entsprechend nur im weißen, liberalen Vermont sicher. Hier war Sanders in den achtziger Jahren Bürgermeister und wurde gleich dreimal wiedergewählt, der Bundesstaat gilt als "Bernie Country".