Ein syrischer Junge nach einem Luftangriff auf seine Heimatstadt Douma © Bassam Khabieh/Reuters

Die Situation der Bevölkerung in Syrien hat sich 2015 noch einmal dramatisch verschlechtert. Zu diesem Fazit kommt ein internationaler Zusammenschluss von 30 Hilfsorganisationen. Anlässlich des fünften Jahrestags des Syrien-Konflikts veröffentlichten sie einen Bericht mit dem Titel Fueling the Fire, beschreiben darin das Leid der Menschen in dem Bürgerkriegsland und geben den vier großen Vetomächten des Weltsicherheitsrats eine Mitschuld an der Eskalation des Konflikts.

Den Hilfsorganisationen zufolge, zu denen unter anderem Oxfam, Care und Save the Children gehören, ist die Zahl der Hilfsbedürftigen, der Flüchtlinge und der Menschen in belagerten Städten und Gebieten deutlich gestiegen. So hätten die unmittelbaren Kriegsparteien wie die syrische Armee einerseits sowie die Milizen und Extremisten andererseits schlimmste Verwüstungen angerichtet, Nothilfe verhindert und ganze Städte von jeglicher Versorgung abgeschnitten.

In ihrem Bericht erklärten die Helfer das vergangene Jahr zum bislang schlimmsten des syrischen Bürgerkriegs. Allein 2015 sind demnach mindestens 50.000 Menschen getötet und fast eine Million in die Flucht getrieben worden. Zusätzliche 1,5 Millionen Menschen sind seitdem auf humanitäre Hilfe angewiesen, die aber kaum zu den Menschen durchdringt. Riesige Landstriche Syriens bleiben ohne Unterstützung, da die Hilfsorganisationen von allen Konfliktparteien blockiert, angegriffen oder drangsaliert werden. 

Syrien - Monate ohne fließendes Wasser in Aleppo In Aleppo hat inzwischen fast niemand mehr Zugang zu fließendem Wasser. Die Wasserwerke machen die IS-Kämpfer für den Missstand verantwortlich.

Vetomächte mitschuldig an Eskalation des Konflikts

Eine wesentliche Hürde für die Lieferung von Hilfsgütern, so beklagen es die Hilfsorganisationen, sind die Luftangriffe Russlands. Seit September 2015 ist das russische Militär in dem Konflikt involviert und musste sich immer wieder Vorwürfe gefallen lassen, auch die zivile Infrastruktur, wie etwa Krankenhäuser und Schulen zu bombardieren. Diese Kritik erneuerten nun Care, Oxfam und Co. in ihrem Bericht.

Überhaupt, so die Helfer, heizten die USA und Russland, Frankreich und Großbritannien den Konflikt weiter an, obwohl sie sich in ihren Resolutionen auf eine andere Politik verständigt hätten. Diese Politik aber würden sie andauernd untergraben: Sie übten zu wenig diplomatischen Druck auf ihre Verbündeten aus, unterstützten sie sogar mit Waffen oder würden direkt militärisch eingreifen. Care-Generalsekretär Karl-Otto Zentel sprach von einer "gewaltigen Bewährungsprobe" für die Weltgemeinschaft, könnten doch gerade diese vier Staaten zentrale Akteure sein, um zu einem Ende des Kriegs beizutragen.

Wie in allen Konflikten und Kriegen würden auch in Syrien vor allem die Kinder unter der Gewalt leiden. Der größte Schrecken für die Familien, so die Kinderrechtsorganisation Save the Children in einem eigenen Bericht, sind demnach die Luftangriffe, oft mit Fassbomben. Viele Eltern berichten, ihre Kinder seien traumatisiert und hätten sich durch die ständige Bedrohung verändert. Vor allem die Situation in den belagerten Orten sei unfassbar, so die Organisation.

Kein Essen, keine Medizin, keine Hilfe

"In weiten Teilen des Landes sterben Kinder aufgrund von akutem Mangel an Nahrungsmitteln und dringend benötigten Medikamenten, obwohl nur ein paar Kilometer entfernt die Warenhäuser mit Hilfsgütern gefüllt sind", beklagte Bidjan Nashat, Vorstandsmitglied bei Save the Childern. Die Situation in den belagerten Städten und Dörfern, den "Todeslagern", sei das schockierendste Zeugnis des Versagens der internationalen Gemeinschaft. "Diese Kinder bezahlen den hohen Preis für die Untätigkeit der Weltgemeinschaft", so Nashat.

Der Aufstand in Syrien hatte im März 2011 mit Demonstrationen gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad begonnen. Nachdem die Regierung die Proteste mit Gewalt niederschlagen ließ, verwandelte sich der Konflikt nach und nach in einen Bürgerkrieg. Die Vereinten Nationen sprechen bislang von mindestens 250.000 Toten. Seit rund zwei Wochen gilt eine Waffenruhe, die weitgehend hält. In Genf sollen in den nächsten Tagen die Anfang Februar ausgesetzten Friedensgespräche weitergehen.