Rund eine Viertelmillion Kinder in belagerten Gebieten in Syrien leiden einem Bericht zufolge unter Hunger. Diese Kinder hätten auch so gut wie keinen Zugang zu Medikamenten und potenziell anhaltende psychologische Probleme, heißt es in einem Bericht der Hilfsorganisation Save the Children. "Die Kinder wachsen in einer Art Kriegskultur auf und es ist schwer einzuschätzen, was das für Langzeiteffekte auf sie haben wird", sagte Sonia Khush, die für das Bürgerkriegsland zuständige Regionaldirektorin der Organisation. Luftangriffe stellten "den größten Schrecken dar, dem die Familien in den belagerten Gebieten Syriens ausgeliefert sind".

Die dort lebenden Menschen hätten oft noch nicht einmal Brot. "Brot ist für Syrer ein sehr wichtiger Aspekt ihres Lebens, sie essen es normalerweise mit allem", sagte eine nahe einer belagerten Gegend in Syrien lebende Mitarbeiterin der Hilfsorganisation, die anonym bleiben wollte. Viele Menschen hätten "Überlebenskunstformen" entwickelt. Sie kochten beispielsweise Suppe aus Gras oder sammelten Stücke von Holzmöbeln aus zerbombten Häusern, um zu heizen oder zu kochen.

Hilfsorganisationen haben laut Save the Children praktisch keine Möglichkeit, in die belagerten Gebiete zu gelangen. "Die Kinder haben wirklich jegliches Gefühl für die Zukunft verloren", sagte Khush. Viele von ihnen wüssten kaum, was frisches Obst und Gemüse sei, weil die Regierungstruppen und andere kämpfende Gruppierungen ihnen den Zugang dazu verwehrten.

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Save the Children interviewte gemeinsam mit Partnern in Syrien 126 Menschen in acht belagerten Gebieten. Unter den Befragten waren Kinder im Alter zwischen zehn und 16 Jahren, Eltern, aber auch Ärzte und Lehrer. Bei dem seit fünf Jahren andauernden Bürgerkrieg in Syrien sind mindestens 250.000 Menschen gestorben. Die Hälfte der syrischen Bevölkerung wurde vertrieben. Viele Syrer versuchen auf ihrer Flucht, in die EU und nach Deutschland zu gelangen.

Der Konflikt begann im März 2011 mit einem Aufstand gegen Machthaber Baschar al-Assad und entwickelte sich schnell zu einem breiten Bürgerkrieg. Militante Gruppierungen wie die Terrormiliz "Islamischer Staat" konnten große Teile des Landes unter ihre Kontrolle bringen. Die Gewalt hat sich zuletzt etwas verringert, seit sich die Regierung und die Opposition im Land an eine vereinbarte Waffenruhe halten. Der Kampf gegen den IS und die Al-Kaida-nahe Nusra-Front ist von dieser Vereinbarung ausgenommen.

Diplomaten zufolge können dank der Feuerpause in einige belagerte Gebiete nun Hilfslieferungen gebracht werden. Eine Sprecherin des Syrien-Sondergesandten der Vereinten Nationen Staffan de Mistura sagte, Friedensgespräche mit Vertretern der syrischen Regierung und der Opposition würden am nächsten Montag beginnen.