Antikenschätze - Palmyra in besserem Zustand als befürchtet Die antiken Ruinen von Palmyra in Syrien sind nach der Beschädigung durch den IS in einem besseren Zustand als befürchtet. Nach der Rückeroberung der Stadt durch die syrische Armee zeigt sich der Chef der Altertümerverwaltung in Damaskus erleichtert.

Bei aller Erleichterung darüber, dass die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) aus der antiken syrischen Stadt Palmyra vertrieben worden ist, gibt es zunehmend Warnungen: Hat doch dieser Sieg vor allem das Regime von Baschar al Assad in Damaskus gestärkt. Darauf weist Markus Kaim von Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) hin.

Er sagte, es sei ein "hoher politischer und moralischer Preis", dass es die geschwächten Regierungstruppen Assads mit Hilfe der russischen Luftwaffe und Kämpfern der schiitischen Hisbollah-Miliz aus dem Libanon gewesen sind, die Palmyra nach zehn Monaten unter IS-Besatzung zurückerobert haben.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts bewertete das positiver: "Wenn die zwischen Regime und Opposition vereinbarte Waffenruhe dazu beiträgt, dass sich Assads Truppen nun ernsthaft dem Kampf gegen die Terrorbanden von IS widmen, statt gegen die eigene Bevölkerung vorzugehen, dann ist das gut", sagte sie. Das zeige, "wie wichtig eine politische Lösung für Syrien auch für einen nachhaltigen Erfolg gegen den Terror bleibt. IS ist dann besiegbar, wenn seine Gegner sich nicht weiter gegeneinander aufreiben", fügte sie hinzu. Allerdings könnte es dem nun militärisch gestärkten Assad-Lager damit auch leichter fallen, bei den Friedensverhandlungen mit der syrischen Opposition in Genf noch weniger Kompromisse zu machen als bisher. 

"Sunniten werden diskriminiert"

Auch der außenpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Omid Nouripour, ist erleichtert, dass die IS-Terroristen derzeit "viel Boden verlieren, und zwar vor allem im Irak". Erst Anfang Dezember hatte die irakische Armee mit Unterstützung amerikanischer Luftangriffe die sunnitische Stadt Ramadi zurückerobert, die der IS fast gleichzeitig mit Palmyra vor zehn Monaten erobert hatte. Allerdings warnt Nouripour die Bundesregierung davor, Assad nun Zugeständnisse zu machen, in der Hoffnung, dass sich dann weniger Flüchtlinge in Richtung Europa in Bewegung setzten könnten. "Das Kernproblem ist, dass die Sunniten diskriminiert werden, im Irak von den Schiiten, in Syrien vom alawitischen Assad-Clan", sagte er dem Tagesspiegel.

Nouripour war selbst kurz vor dem Fall der Großstadt Mossul im Irak und hat dort Gespräche mit sunnitischen Stammesältesten geführt, die ihm sagten, sie hätten nur die Wahl gehabt, "schlecht unter dem IS zu leben, oder unter dem früheren schiitischen irakischen Ministerpräsidenten Nouri al Maliki zu sterben". Nouripour ist überzeugt davon, dass sich noch mehr Sunniten dem IS anschließen könnten, wenn sie im Irak weiterhin als Bürger zweiter Klasse behandelt würden und "in Syrien Assad weiter an der Macht gehalten wird". Er fordert von der Bundesregierung, "mehr politisches Kapital in die irakische Regierung zu investieren, mit dem Ziel, die Sunniten in den Staat zurückzuholen".

Derzeit sehe er aber nur Aktionismus "mit Waffenlieferungen an Gruppen, die diese Waffen auch zur Vertreibung der Sunniten aus Kirkuk einsetzen und mit einer Ausbildung von Sicherheitskräften, ohne dass es im Irak Aussichten auf eine Sicherheitsreform gibt". Wobei es nicht falsch sei, "auf die Kurden zu setzen", aber es komme eben auch "auf die Regierung in Bagdad an", sagt er.

Dass er mit dieser Einschätzung nicht ganz falsch liegt, bestätigt ihm der Peschmerga-Kommandant Polad Jangi in der amerikanischen Zeitung Voice of America. Er wies darauf hin, dass es zwischen kurdischen Peschmerga und schiitischen Milizen, die auf der Seite der irakischen Armee gegen den IS kämpfen, zu neuen Spannungen kommen könnte, wenn die Regierung in Bagdad darauf beharren sollte, die Kurden nach der Rückeroberung der Stadt Mossul wieder in ihre Gebiete zurückzuschicken. Es gibt eine Reihe von Städten, die von den irakischen Kurden wie der Regierung in Bagdad als ihre Territorien reklamiert werden, dazu gehört auch die Öl-Stadt Kirkuk.