Ein kurdischer Kämpfer beobachtet die Tischrin-Talsperre südlich von Kobane im Norden Syriens. Die PYD hatte dieses Gebiet im Dezember 2015 vom "Islamischen Staat" befreit. © Rodi Said/Reuters

Russland hat die Entscheidung der syrischen Kurden kritisiert, eine autonome Region im Norden des Bürgerkriegslandes auszurufen. "Solche Fragen lassen sich nicht einseitig klären", sagte der russische Vizeaußenminister Michail Bogdanow. Dies müsse in Verhandlungen entschieden werden. Daher habe sich Russland immer dafür eingesetzt, auch die Kurden in die Genfer Friedensgespräche einzubeziehen, sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Die syrischen Kurden um die PYD und ihre Verbündeten hatten zuvor eine autonome Region mit dem Namen Rojava ausgerufen. Sie umfasst die drei kurdischen Enklaven in Nordsyrien – Dschasira, Kobane und Afrin. Während Dschasira und Kobane miteinander verbunden sind, bleibt Afrin im Nordwesten eine Exklave. Bei der Föderation soll es sich allerdings nicht um einen eigenen Staat handeln.

Die Kurden bezeichnen die neu ausgerufene Region als Teil Syriens. Das föderale System der drei selbstverwalteten Kantone könne ein Modell sein, um die Krise in dem Bürgerkriegsland zu lösen, hieß es in der Abschlusserklärung einer Konferenz mit rund 200 Vertretern verschiedener Gruppen in der Stadt Rumeilan. Mit der Stellungnahme reagierte die Versammlung auf Befürchtungen, die ausgerufene autonome Region könne sich von Syrien abspalten. Die Kurden beherrschen schon heute weite Gebiete im Norden Syriens und führen diese faktisch autonom. Auch im Nordirak handelt die kurdische Führung autonom.

Die russische Regierung unterstützte zuletzt fast immer die Belange der Kurden in Syrien. Auch die USA stehen hinter der PYD, Deutschland rüstet kurdische Milizen im Irak mit Waffen aus.

Kämpfer der PYD sollen von der russischen Luftwaffe unterstützt worden sein. Russlands Präsident Wladimir Putin ließ durch seinen Sprecher Dmitri Peskow mitteilen, es sei wichtig, dass Syrien als Staat erhalten bleibe. Trotz des russischen Teilabzugs drohte Putin mit neuen Kampfeinsätzen: "Wenn nötig, ist Russland binnen weniger Stunden in der Lage, seine Truppenstärke in der Region ausreichend zu verstärken."

Die Türkei wiederum stuft die PYD als terroristische Organisation ein und bekämpft kurdische Milizen im In- und Ausland. Hinter mehreren Anschlägen in Istanbul, Ankara und im Osten des Landes sollen kurdische Extremisten stecken. PYD gilt als der syrische Ableger der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Wegen der breiten internationalen Unterstützung fürchtet die Türkei, dass die Autonomiebestrebungen der Kurden auch in ihrem Land stärker werden. Die türkische Regierung hatte wiederholt gedroht, dass sie einen Kurdenstaat im Norden Syriens nicht dulden werde. Die Regierung fürchtet Auswirkungen auf die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden im eigenen Land.

Das syrische Außenministerium teilte mit, die Erklärung der Kurden verstoße gegen die Verfassung und sei deswegen wertlos. Auch eine der wichtigsten Rebellenorganisationen, die Syrische Nationalkoalition, wies die Autonomie als einseitigen Schritt zurück und warnte vor der Bildung autonomer Regionen.