Der Flughafen von Brüssel nach den Anschlägen am Dienstag © Yorick Jansens/Pool/Reuters

Die Spuren der Attentäter von Brüssel weisen nach Syrien. Der in Belgien geborene Najim Laachraoui, offenbar eine der Schlüsselfiguren bei den Anschlägen in der belgischen Hauptstadt, ist 2013 nach Syrien gereist. Und die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), die Teile Syriens kontrolliert, hat sich zu den Anschlägen bekannt. Wie schon bei den Pariser Attacken gibt es also offenbar auch bei den Brüsseler Anschlägen entscheidende Verbindungen in das Bürgerkriegsland.

Dass eine Terrororganisation wie der IS dort Territorium erobern und über Jahre halten kann, inspiriert Dschihadisten weltweit. Doch der IS gibt auch praktische Hilfe für verirrte Jugendliche und junge Erwachsene, die vom heroischen Krieg gegen die Ungläubigen träumen: Ausbildung, Netzwerke, vermutlich auch logistische Unterstützung. Gut möglich, dass die Attentäter von Brüssel auch direkt Teil einer vom IS geleiteten Operation waren.

Bessere Polizeiarbeit ist ein Weg, um ähnliche Anschläge in Zukunft zu verhindern. Der andere Weg führt über Syrien: Nur ein Ende der IS-Herrschaft wird den Dschihadismus entmutigen und ihm seine Infrastruktur nehmen. Über Syrien aber will man in Europa nur sehr ungern reden. Der Krieg, der Hunderttausende getötet, Millionen vertrieben und eine ganze Region destabilisiert hat, gilt in den meisten europäischen Hauptstädten als eine Art Naturkatastrophe: bedauerlich, schrecklich, aber nichts, wogegen man etwas tun kann.


 Unwillig, in Syrien einzugreifen, zieht Europa es vor, die Folgen der Katastrophe als Schicksal hinzunehmen. Dieses Kalkül hat sich auch nicht grundlegend geändert, seit Europa selbst zunehmend Opfer von Anschlägen geworden ist, deren Spuren immer wieder nach Syrien weisen. Auch die Flüchtlingskrise, die das Schengen-System der offenen Binnengrenzen ebenso infrage stellt wie Europas humanitäres Selbstverständnis, wurde nicht als Weckruf verstanden, in Syrien aktiv zu werden.

Selbst wenn Kanzlerin Angela Merkel (CDU) immer wieder betonte, das Engagement für eine Lösung in Syrien sei ein wichtiges Element einer europäischen Antwort auf die Flüchtlingskrise, folgte daraus praktisch kaum etwas. Im Vordergrund der Flüchtlingsdebatte standen Fragen der nationalen Identität und der europäischen Zusammenarbeit, europäische Außenpolitik spielte kaum eine Rolle.

An die Stelle von Handeln trat Hoffnung: insbesondere die Hoffnung, dass die USA irgendwie doch einen Weg finden könnten, den Krieg in Syrien zu beenden. Doch die Obama-Regierung war in Syrien immer nur halb engagiert. Sie tat zu wenig, um den Aufständischen zum Sieg zu verhelfen, und zu viel, um den vom Iran und Russland gestärkten und gestützten Assad siegen zu lassen.

Amerikanische Halbherzigkeit

Die amerikanische Syrien-Politik ist Ausdruck amerikanischer Ambivalenz. Zum einen will man nicht mehr Ordnungsmacht in der Region sein, zum anderen fühlt man sich gezwungen, sich doch ein bisschen zu engagieren, aus humanitären Gründen und weil die Alliierten es von Amerika erwarten. Doch die amerikanische Halbherzigkeit hat nicht geholfen, sie hat womöglich die Dinge noch schlimmer gemacht, indem sie falsche Erwartungen geweckt und falsche Anreize gesetzt hat. Die Glaubwürdigkeit Amerikas in der Region bewegt sich in Richtung null.

Allen, die noch immer auf die USA setzen, müssten spätestens die jüngsten Äußerungen Obamas im Gespräch mit dem Journalisten Jeffrey Goldberg die Augen geöffnet haben. "Der IS ist keine existenzielle Bedrohung für die Vereinigten Staaten", erklärt Obama. 

Auf die Frage, was Obama denn gegen den IS tun könne, antwortet der US Präsident: "Es wird Zeiten geben, in denen wir, tragischerweise, uns nicht voll engagieren können, entweder, weil es sich nicht um eine direkte Bedrohung für uns handelt, oder weil wir nicht die richtigen Instrumente haben, um erheblichen Einfluss auszuüben."