Türkische Polizisten verschaffen sich Zutritt zum Gebäude der Zeitung "Zaman". © OZAN KOSE/AFP/Getty Images

Die türkische Polizei ist gewaltsam in das Redaktionsgebäude der oppositionellen Zeitung Zaman in Istanbul eingedrungen. Gegen die protestierende Menge, die sich seit dem Abend vor dem Haus versammelt hatte, sei die Polizei mit Tränengas vorgegangen, berichteten türkische Internetmedien. "Diebe raus", skandierten den Berichten zufolge die Mitarbeiter der Zeitung.

Die Zeitung war am Freitag auf einen Gerichtsbeschluss hin unter die Aufsicht einer staatlichen Treuhandverwaltung gestellt worden. Ein offizieller Grund dafür wurde zunächst nicht bekannt. Zaman steht der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen nahe, der im US-Exil lebt. Gülen war einst ein Verbündeter des islamisch-konservativen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan, hat sich mit ihm aber überworfen.

Gülens Hizmet-Bewegung ist in der Türkei inzwischen zur Terrororganisation erklärt worden. Präsident Erdoğan beschuldigt ihn, ein Unterstützernetz in Justiz, Polizei und Medien aufzubauen und damit den Sturz der Regierung zu betreiben. Neben der Übernahme der Zeitung wurden auch Anhänger der Gülen-Bewegung festgenommen. Gülen selbst lebt seit Jahren in den USA.

Zaman ist die auflagenstärkste Zeitung der Türkei. Chefredakteur Abdülhamit Bilici beklagte, seit mehreren Jahren drohten Regierungskritikern Gerichtsverfahren, Haftstrafen oder wie im Falle seines Blattes eine Übernahme durch die Regierung. "Das ist eine dunkle Zeit für unser Land und unsere Demokratie", sagte er. Behördenvertreter waren zunächst nicht für Stellungnahmen erreichbar.

Bereits der Gerichtsbeschluss hatte internationale Proteste ausgelöst. Der Schritt sei beunruhigend, sagte ein Sprecher von US-Außenminister John Kerry. Schon zuvor habe die Regierung in Ankara kritische Medien ins Visier genommen.