Die ukrainische Pilotin Nadija Sawtschenko ist offenbar mit einem Trick zum Abbruch ihres verschärften Hungerstreiks gebracht worden. Ein Brief mit einer Bitte von Präsident Petro Poroschenko sei eine Fälschung gewesen, sagte Sawtschenkos Verteidiger Mark Fejgin. Er hatte der in Russland inhaftierten Pilotin am Donnerstagmorgen den Brief überbracht. Daraufhin hatte sich Sawtschenko entschlossen, wieder zu trinken, aber weiter nicht zu essen. Poroschenkos Sprecher bestätigte, dass der Präsident keinen Brief geschrieben, sondern seine Unterstützung für Sawtschenko mündlich deren Mutter und Schwester übermittelt habe.

In russischen Medien behaupteten die Komiker Wladimir Kusnezow und Alexej Stoljarow, sie hätten den Anwälten die Botschaft Poroschenkos untergeschoben. Die beiden haben auch schon den britischen Rockstar Elton John mit einem vermeintlichen Anruf von Russlands Präsident Wladimir Putin getäuscht. Die Anwälte erklärten dagegen, sie vermuteten den russischen Geheimdienst FSB hinter der Aktion. Die Angaben aller Beteiligten blieben aber undurchsichtig. 

Sawtschenko hatte nach eigenen Angaben seit vergangenem Freitag aus Protest gegen die verzögerte Urteilsverkündung des Provinzgerichts keine Nahrung zu sich genommen. "Ich werde bis zum Urteil den trockenen Hungerstreik gegen Hungerstreik bei Wasser austauschen", hatte die Pilotin schließlich mitgeteilt. Am 21. und 22. März soll die Entscheidung verkündet werden. Der Ukrainerin drohen mehr als 20 Jahre Haft.

Poroschenko hatte am Mittwoch seine Bereitschaft versichert, Sawtschenko gegen zwei russische Gefangene auszutauschen. "Unsere Hauptaufgabe ist heute, Nadija zu retten", sagte er bei einem Besuch in der türkischen Hauptstadt Ankara. Bisher sei aber in Kiew kein Angebot aus "vertrauenswürdigen Quellen" eingegangen.

Sawtschenko steht in Russland wegen des Todes zweier russischer Journalisten vor Gericht. Sie hatte als Freiwillige im Juni 2014 gegen die prorussischen Separatisten im Gebiet Luhansk gekämpft. Die russische Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, dabei Mörserfeuer auf Zivilisten gelenkt zu haben.

Die ukrainische Regierung wirft Russland vor, die Offizierin entführt zu haben und fordert ihre Freilassung. Die Bundesregierung hatte sich dem angeschlossen. Intellektuelle aus ganz Europa starteten kürzlich eine Petition für die Freilassung Sawtschenkos.