Der US-Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders während eines Auftritts in Texas © Brian Snyder/Reuters

Bernie Sanders ist ein Sportsmann. "Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man." Am vergangenen Samstag stand er im hellen Kameralicht mit hochgeschlagenem Mantelkragen auf einem Flugfeld im US-Bundesstaat Minnesota. "Heute Abend haben wir verloren", sagte er. Er versuchte gar nicht erst, den wartenden Reportern seine Pleite in South Carolina zu erklären.

Sanders, 74 Jahre alt, hat in seiner Schulzeit im Basketballteam gespielt. Er weiß, dass das Konzept des Unentschiedens im US-Sport wie in der Politik nur sehr, sehr selten vorkommt. Es gilt die einfache Regel: Wenn du nicht gewonnen hast, hast du verloren.

Hillary Clintons Sieg in South Carolina am Wochenende hat ihren Vorsprung an Delegierten noch einmal deutlich vergrößert. Bei den Demokraten werden 2.383 Delegiertenstimmen für die Nominierung im Rennen ums Weiße Haus im November benötigt. Vor dem heutigen Super Tuesday, an dem elf US-Bundesstaaten gleichzeitig wählen, steht es 544 zu 85 für Hillary Clinton. In dieser Rechnung sind die Superdelegierten der Demokraten mit einbezogen, die bisher größtenteils Clinton unterstützen.

USA - Clinton gewinnt Vorwahl in South Carolina Die frühere Außenministerin der USA, Hillary Clinton, hat deutlich die Vorwahlen in South Carolina gewonnen. Nach dem etwa die Hälfte der Stimmen ausgezählt worden war, lag sie 50 Prozentpunkte vor Mitbewerber Bernie Sanders.

Clinton bekommt Stimmen schwarzer Bevölkerung

Aber die Vorwahlen in den USA sind nicht nur ein Zahlenspiel, sondern auch ein Zeitspiel. Das wusste auch Sanders. Er ließ sich in South Carolina so wenig blicken, dass er sich die Frage gefallen lassen musste, ob er sich hier überhaupt zur Wahl stelle.

Genau darin liegt Sanders’ Problem. Weil die Umfragen ihm vorab kein gutes Ergebnis vorausgesagt hatten, mied er South Carolina und konzentrierte sich lieber auf andere Staaten, in denen sein Wahlkampfteam sich bessere Chancen für den 1. März ausrechnete. Am Ende stand jedoch nicht nur eine haushohe Niederlage, sondern auch die Erkenntnis, dass seine Kampagne kaum Fortschritte gemacht hat im Kampf um schwarze Wähler.

In South Carolina, wo mehr als die Hälfte aller Wahlberechtigten afroamerikanischer Herkunft ist, zeigte Clinton Bernie Sanders ganz deutlich seine Grenzen auf. 87 Prozent der Stimmen aus der schwarzen Bevölkerung entfielen auf sie. Im Vergleich: Präsident Barack Obama hatte dort 2008 nur 78 Prozent erreicht.

Heute Abend, so scheint es momentan, könnten für ihn gleich auch Alabama, Arkansas, Georgia, Tennessee und Virginia verloren gehen. In diesen Staaten, die alle einen beträchtlichen Anteil an schwarzen Wählern haben, stehen insgesamt 399 Delegiertenstimmen auf dem Spiel.

"Es schadet sicher nicht, sich zu zeigen", sagt Tamica Shipman, eine Buchhalterin aus Montgomery in Alabama. "Bislang habe ich hier kaum Werbung für Bernie gesehen. Ich kann ja keinen Kandidaten wählen, den ich nicht kenne." Die junge Frau steht nach einer Veranstaltung von Expräsident Bill Clinton, der seine Frau beim Wahlkampf unterstützt, am Ausgang einer Bibliothek. Über Sanders’ Wahlprogramm sagt sie: "Ich bin mir nicht sicher, ob all seine Versprechen umsetzbar sind im aktuellen politischen Klima."

Angesichts der schwierigen Lage für Sanders versucht sein Wahlkampfteam, die Kampagne als nationales Projekt zu verkaufen, das sich bis zum Sommer erstreckt. Am Super Tuesday soll der Kandidat solide abliefern, einige der Staaten für sich entscheiden und anschließend bis Mitte März Siege in Michigan und Ohio einfahren, um an Clinton dranbleiben zu können. Trotzdem entsteht der Eindruck, dass Sanders diejenigen Staaten kampflos aufzugeben scheint, in denen die Wählerschaft zu großen Teilen aus schwarzen Menschen besteht. Das allerdings sendet auch die Botschaft aus, dass er landesweit den Zuspruch der Afroamerikaner an Clinton abtritt.

US-Vorwahlen - Super Tuesday stellt die Weichen bei US-Vorwahlen Am Super Tuesday stimmen die Wähler in zwölf US-Bundesstaaten ab. Gemeinsam entscheiden diese zwölf Staaten über 18 Prozent der demokratischen Delegierten bei der Wahl des Präsidentschaftskandidaten, bei den Republikanern sind es sogar ein Viertel der Delegierten. Nach den ersten vier Vorwahlen könnte für die verbliebenen Außenseiter jetzt der Tag der Entscheidung gekommen sein.