Marco Rubio in Orlando, Florida © Win McNamee/Getty Images

In den Vorwahlen den eigenen home state nicht zu gewinnen, ist wie das Finale der Champions League im eigenen Stadion zu verlieren: passiert durchaus, tut aber richtig weh. Marco Rubio muss Florida also einsacken. Der Bundesstaat ist sein Zuhause, hier wurde er vor 44 Jahren geboren, hier ist er amtierender US-Senator. Und hier könnten heute Abend seine politischen Ambitionen vorerst begraben werden.

Das hört sich schwülstig an, aber Rubio will nun einmal für die Republikaner als Präsident ins Weiße Haus einziehen und das wollte auch ein alteingesessener Teil der republikanischen Partei, das sogenannte Establishment. Aber in dem Bundesstaat mit einer weißen, größtenteils pensionierten Bevölkerungsschicht steht Donald Trump in den Umfragen kaum einholbar vor Rubio.


Sollte Rubio es nicht schaffen, würden Floridas 99 Delegiertenstimmen allesamt an Trump gehen. Sollte Trump zudem die Wahlen in Ohio und Illinois gewinnen, kämen noch einmal 135 Stimmen dazu. Dann wäre der Plan, aus dem ambitionierten Jungpolitiker Marco Rubio den Trump-Verhinderer zu machen, endgültig gescheitert. 

Rubio hatte sich das anders gedacht. Als er Anfang Februar bei der ersten Abstimmung in Iowa überraschend auf dem dritten Platz hinter Cruz und Trump landete, machte seine 3-2-1-Strategie die Runde: Zuerst Dritter in Iowa, dann Zweiter in New Hampshire werden, erklärten seine euphorischen Kampagnenstrategen den Reportern, um anschließend in South Carolina oder Nevada auf dem ersten Platz zu landen.

3-2-1 ist gescheitert

3-2-1. Das klang clever und durchdacht zu einer Zeit, als den Republikanern dämmerte, dass sich Trump tatsächlich Wählerstimmen und damit Delegierte für die Nominierung sammelte. Nur fegten diverse Umstände die luftige 3-2-1-Formation so sehr durcheinander, dass Rubio nach drei Vorwahlen bloß ein mageres 3-5-2 vorzuweisen hatte.

Mit Trump an der Spitze würde die Partei ein Irrenhaus, fürchtete das Establishment der Republikaner, das Laienprediger-Auftreten von Senator Ted Cruz bereitete ihnen ebenfalls Sorgen, Jeb Bushs Kampagne kam trotz Millionenausgabe nie in Schwung, Gouverneur John Kasich fehlt bis heute die populäre Basis.

Daher schien Rubio der perfekte Gegenkandidat zu Trump. Ein bisschen Geduld, hieß es, der Junge kann den Sprücheklopfer aus Queens einfangen. In dubio pro Rubio, lautete der Slogan für ihre Theorie.

Entgleisung der Manieren

Doch in der Praxis ließ sich der intelligente Rechtsanwalt, Familienvater und Politiker Rubio dann doch zu Fehlern hinreißen. Rubio ist zwar opportunistisch und politisch nicht weniger konservativ als seine Konkurrenten, gilt aber als wohlerzogen. Doch nachdem Trump sich in diversen TV-Debatten zum Spielplatztyrann hochgeschwungen hatte, der niemanden neben sich auf dem Klettergerüst duldet, setzte Rubio Trumps angeblich kleine Hände mit einem kleinen Trump-Tower in dessen Hose gleich.