Kurz vor entscheidenden Vorwahlen in fünf US-Bundesstaaten sind die Präsidentschaftsbewerber der Republikaner erneut in einer TV-Debatte aufeinandergetroffen. Im Gegensatz zu den vorherigen Diskussionsrunden präsentierten sie sich aber deutlich sachlicher und in den Augen vieler Beobachter "ungewöhnlich dezent".

Selbst der bislang mit allerlei populistischen und exzentrischen Äußerungen aufgefallene Donald Trump änderte seinen Tonfall und zeigte sich überrascht über die Stimmung auf dem Podium: "Ich kann nicht glauben, wie höflich es bisher hier oben ist", sagte er und rief seine Mitstreiter während der Debatte zur Einigkeit auf: "Wir sitzen alle im selben Boot."

Trumps Konkurrenten, die beiden Senatoren Ted Cruz und Marco Rubio, boten dem Milliardär aus New York durchaus Paroli und steigerten im Laufe der Diskussion ihre Attacken auf Trump, der derzeit die meisten Delegiertenstimmen gewonnen hat. Die Debatte drehte sich um die Themen Islam, Einwanderung und Handelspolitik – Themen, bei denen Trump mit vermeintlich einfachen Lösungen um Wählerstimmen buhlt. "Die Antwort kann nicht einfach darin liegen zu brüllen: 'China: schlecht, Muslim: schlecht'", hielt ihm der Texaner Cruz entgegen.

US-Wahlen - Trump äußert sich ungewohnt wohlwollend zu Angela Merkel US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat der Bundeskanzlerin in Bezug auf die europäische Flüchtlingspolitik „Alles Gute“ gewünscht. Für seinen Wahlkampf zeigte er sich gewohnt siegessicher.

"The winner takes it all"

Trump wiederum wollte seine neu entdeckte Seriosität offenbar nicht zu weit treiben und weigerte sich auf Nachfrage, von seiner jüngsten Aussage abzurücken, wonach der "Islam den Westen hasst." Er werde sich nicht beugen und "politisch korrekt" sein, sagte er. Rubio reagierte: "Es geht nicht darum, politisch korrekt zu sein. Ich bin daran interessiert, korrekt zu sein", sagte der Senator von Florida.

Bei der Debatte in der University of Miami galt es für die Bewerber, vor den wichtigen Abstimmungen am kommenden Dienstag vor einem Millionenpublikum zu punkten. Dann nämlich stehen die Vorwahlen in Florida, Illinois, Missouri, North Carolina, Ohio und dem US-Außengebiet Nördliche Marianen an. Allein in Florida sind 99 Delegierte zu holen, die obendrein nach dem Prinzip "Winner takes it all" gänzlich dem Sieger zufallen. In wenigen Tagen könnten im Kampf um die Nominierung um die Präsidentschaftskandidatur also entscheidende Weichen gestellt werden.

Obama kritisiert "Zirkus" der Republikaner

Zu diesem Zeitpunkt griff nun auch Präsident Barack Obama in den Vorwahlkampf ein und verwahrte sich gegen Kritik, er sei für die erbitterte politische Debattenkultur mitverantwortlich. Für das "explosive Klima" sei vielmehr die Führung der Republikaner verantwortlich gewesen, die mit ihrer kompromisslosen Haltung eine Atmosphäre geschaffen habe, in der "jemand wie Donald Trump gedeihen kann", sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau.

Den Polit-Novizen Trump sieht Obama zudem nicht als einen Sonderfall. Dessen Positionen, vor allem beim Thema Einwanderung, unterschieden sich nicht sonderlich von jenen von dessen Rivalen Rubio und Cruz, sagte der US-Präsident und bezeichnete den Vorwahlkampf der Republikaner als "Zirkus." Für den Wahlkampf seiner eigenen Partei fand Obama dagegen lobende Worte: Den Demokraten gelinge es gut, in ihren Kampagnen Probleme anzugehen.