Der Republikaner Ted Cruz © Max Becherer/AP/dpa

Die Spitzenreiter beider Parteien, Donald Trump und Hillary Clinton, haben am Samstag je zwei Staaten an ihre Herausforderer Cruz und Sanders verloren. Doch zunächst bleiben sie die Favoriten bei den US-Vorwahlen.

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Ted Cruz gewann die Vorwahl seiner Partei in den US-Staaten Kansas und Maine mit deutlichem Abstand vor Donald Trump. Trump hingegen entschied das wichtige Rennen in Louisiana und auch den Staat Kentucky für sich. In den vergangenen Tagen hatten führende Republikaner massiv Stimmung gegen ihn gemacht. Hillary Clinton setzte sich nur in Lousiana durch, in Kansas und Nebraska holte Bernie Sanders die meisten Stimmen.

Nach Auszählung aller Stimmen schlug der texanische Senator den umstrittenen Quereinsteiger in Kansas mit einem Abstand von 25 Prozentpunkten. In Maine war Cruz mehr als 13 Punkte vor Trump. In Lousiana liegt Trump hingegen 25 Prozentpunkte vor Cruz, auch in Kentucky führt Trump bisher. Insgesamt verringert sich Trumps Vorsprung; der Spitzenreiter hatte bisher in zehn Staaten gesiegt.

In Kansas wurde nach dem Caucus-System gewählt, bei dem sich Parteimitglieder zu Ortsversammlungen treffen. Dieses System nutzten die Republikaner auch in Maine, wo Cruz ebenfalls führt. Beobachter gehen davon aus, dass Cruz vom Caucus-System besonders profitert, weil er gezielt Bürger mobilisiert, an den Wahlversammlungen teilzunehmen.

Insgesamt waren am Samstag bei den republikanischen Abstimmungen in den vier Staaten 155 Delegierte zu holen. Kasich gewann bislang noch keine Vorwahl, Rubio holte lediglich Minnesota. Cruz kommt auf sechs Staaten, Trump auf zwölf. Im Gesamtvergleich liegt Trump mit 335 Delegierten vorne, Cruz hat 248, Senator Marco Rubio 110 und Ohios Gouverneur John Kasich 25. Für die Nominierung sind bei den Republikanern 1.237 Delegierte nötig.

Konservative Aktivisten geben Ted Cruz Rückendeckung

Die Abstimmungen am Samstag galten als Test dafür, wie sich eine verstärkte Kampagne der Republikaner-Führung gegen den Immobilienmogul auswirkt. Das Partei-Establishment will unbedingt verhindern, dass Trump Spitzenkandidat wird, nachdem er als deutlicher Sieger der Konservativen aus dem Super Tuesday hervorgegangen war.

Konservative Aktivisten gaben Cruz bei einer Konferenz in Washington am Samstag Rückendeckung. Bei einer Abstimmung sprachen sich 40 Prozent der Konferenzteilnehmer für den zurzeit stärksten Trump-Rivalen als Spitzenkandidat bei der Präsidentenwahl im November aus. 30 Prozent entschieden sich für Floridas Senator Marco Rubio, 15 Prozent für Trump. Ohios Gouverneur John Kasich landete auf dem vierten Platz. An der Abstimmung beteiligten sich der Zeitung Politico zufolge mehr als 2.600 Aktivisten.

Trump hatte zuvor kurzfristig einen Auftritt auf der Konferenz abgesagt und dies mit Wahlkampfterminen begründet. Eine der zentralen Fragen im republikanischen Vorwahlkampf ist, wer sich unter den Bewerbern zu Recht als konservativ bezeichnen kann. Innerparteiliche Gegner sprechen das Trump ab.      

In Idaho warnte Cruz vor einer Nominierung Trumps zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Sollte sich der Immobilienmogul durchsetzen, werde dieser "mit großer Wahrscheinlichkeit" gegen die demokratische Favoritin Hillary Clinton verlieren, sagte Cruz vor Reportern. "65 bis 70 Prozent der Republikaner sind der Ansicht, dass Donald Trump nicht der beste Kandidat in einem Rennen gegen Hillary Clinton ist."

Bei den Republikanern wird viel davon abhängen, wie lange Marco Rubio und John Kasich noch durchhalten. Cruz appellierte an seine Konkurrenten, sich aus dem Rennen zurückzuziehen. "Das Feld muss sich weiter verkleinern. Solange das Feld weiter geteilt ist, hat Donald einen Vorsprung", sagte der Senator von Texas.

Marco Rubio rief auch Trump dazu auf, seinen Wahlkampf zu beenden. "Ich denke, es ist Zeit, dass er sich verabschiedet", sagte er in Florida. "Ich würde so gerne eins gegen eins mit Cruz kämpfen." Es war auffallend, dass Rubio am Samstag überall sehr schwach abschnitt. Das Establishment hatte versucht, ihn als Kompromisskandidaten aufzubauen. In Kansas und Louisiana landete der Senator von Florida auf dem dritten Platz. In Maine wurde er nur Vierter, dort holte Kasich den dritten Platz.

Bernie Sanders erhofft sich Chancen in Großstaaten

Bei den Demokraten setzte sich ein Trend aus den vorherigen Abstimmungen fort: Clinton gewinnt in Staaten, in denen Schwarze einen hohen Anteil an der Bevölkerung ausmachen. Kansas wiederum hat viele weiße Wähler, bei denen Sanders gut abschneidet. Der Senator von Vermont hatte zudem viel Zeit und Geld in den Wahlkampf in den beiden Bundesstaaten im mittleren Westen investiert.

Sanders wertete seine Vorwahlsiege in Kansas und Nebraska als Zeichen für die Stärke seiner Kampagne. Die Erfolge zeugten davon, dass er sich in einer Reihe von Staaten klar gegen seine Rivalin Hillary Clinton durchsetzen könne, sagte der Senator von Vermont am Samstag der Nachrichtenagentur AP. Zuvor hatte er zweistellige Siege in New Hampshire, Oklahoma, Colorado und Minnesota errungen. Bei der von ihm ausgerufenen "politischen Revolution" sei es immer darum gegangen, eine große Zahl von Arbeitern, jungen Menschen und jener Bürger zu mobilisieren, die in den politischen Prozess bisher nicht eingebunden seien. Dies habe sich nun am Samstag "ausgezahlt", sagte Sanders.

Trotz Sanders Aufholjagd hat Hillary Clinton einen Vorsprung von mehreren Hundert Delegierten. Der linke Senator erhofft sich jedoch Erfolge in "einigen sehr große Staaten, die jetzt anstehen", etwa New York, Kalifornien, Oregon und im Staat Washington. Er hoffe, dass eine Mehrheit in diesen Staaten einige Superdelegierte davon überzeugen könnte, von Clinton abzurücken und stattdessen ihn zu unterstützen. Bei den Superdelegierten handelt es sich um Parteifunktionäre, die im Sommer nach Gutdünken entscheiden können, für welchen Kandidaten sie beim Parteikonvent stimmen.

In den USA wird am 8. November ein neuer Präsident gewählt. Der demokratische Amtsinhaber Barack Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Offiziell küren die beiden Parteien ihren Spitzenkandidaten auf Parteitagen im Sommer. Bei den Vorwahlen geht es um das Sammeln von Delegiertenstimmen für diese Parteikongresse.