Obama in Kuba - Historischer Besuch des US-Präsidenten Es ist das erste Mal seit 88 Jahren, dass ein amtierender US-Präsident Kuba besucht. Barack Obama landete in der Hauptstadt Havanna, wo er auch Staatschef Raúl Castro treffen wird.

Geschichtsträchtiger Moment auf Kuba: Als erster US-Präsident seit der Revolution von 1959 ist Barack Obama im sozialistischen Kuba eingetroffen. Obama landete am Sonntag in der Hauptstadt Havanna, wo er mit Staatschef Raúl Castro über eine weitere Vertiefung des Annäherungsprozesses der langjährigen Erzfeinde sprechen will.

Der US-Präsident landete um 21.18 Uhr MEZ bei strömendem Regen, ihn begleiteten seine Frau Michelle und die beiden Töchter. Obama begrüßte die Kubaner per Twitter: "¿Que bolá Cuba?", fragte er und fügte hinzu, er freue sich darauf, die Menschen zu treffen und mit ihnen zu sprechen.

Im Gegensatz zu Staatsbesuchen anderer Amtskollegen war Raúl Castro nicht persönlich am Flughafen, um die Präsidentenfamilie zu begrüßen. Dies übernahm sein Außenminister Bruno Rodríguez. Das Weiße Haus wertete dies indes nicht als Affront. Es sei "nie erwogen oder besprochen" worden, dass Castro am Airport sein würde, sagte Obamas stellvertretender Sicherheitsberater Ben Rhodes. Vielmehr betrachteten die Kubaner das Treffen von Obama und Castro an diesem Montag im Palast der Revolution in Havanna als offizielle Begrüßungsveranstaltung.

Der erste Termin auf der Agenda Obamas war am Abend ein Treffen mit Mitarbeitern der US-Vertretung in Havanna. "Dies ist eine historische Visite und eine historische Chance", sagte er ihnen. Obama erinnerte auch an Calvin Coolidge, der vor ihm der erste US-Präsident überhaupt war, der Kuba besuchte. Coolidge sei im Jahr 1928 an Bord eines Kriegsschiffes auf der Karibikinsel angekommen und habe für die Reise drei Tage gebraucht. Bei ihm habe es nur drei Stunden gedauert, sagte Obama.

Danach unternahm der US-Präsident mit seiner Familie trotz strömenden Regens einen Rundgang durch die Altstadt von Havanna. Vor einer Kathedrale spendeten einige Hundert Schaulustige Applaus, etliche riefen den Namen des Präsidenten. Vor dessen Ankunft waren noch eilig Straßen aufgeräumt, Wände gestrichen und US-Flaggen gehisst wurden. Allerdings wurden auch mehrere Dutzend Aktivisten der regierungskritischen Gruppe Damen in Weiß vorübergehend festgenommen, nachdem Regierungsanhänger und Polizisten ihre Kundgebung in der Hauptstadt gestoppt hatten.

"Es gibt ein Klima der politischen Repression im Zusammenhang mit dem Besuch von Präsident Obama", sagte Elizardo Sánchez, Anführer der verbotenen Kubanischen Kommission für Menschenrechte und Nationale Versöhnung (CCDHRN). Viele Dissidenten seien von der Polizei gewarnt worden, ihre Häuser nicht zu verlassen, während Obama sich in Havanna aufhält.

Die USA setzen durch die Annäherung mit dem sozialistischen Karibikstaat und die Lockerung des Handelsembargos auch auf mehr Meinungsfreiheit. Bei seinem Besuch will Obama die kritische Menschenrechtslage zum Thema machen und plant neben einem Gespräch mit Präsident Castro unter anderem auch Treffen mit Vertretern der Damen in Weiß und anderer Dissidentengruppen. Das Weiße Haus hatte eine solche Begegnung im Vorfeld als Voraussetzung für Obamas Besuch benannt. Am Dienstag werden Obama und Castro bei einem Baseballspiel der kubanischen Nationalmannschaft gegen die Tampa Bay Rays aus Florida dabei sein. Zudem wollte der US-Präsident im Großen Theater von Havanna eine Rede zu seiner Vision für Kuba halten.

Begleitet wird Obama neben seiner Familie von rund 40 Abgeordneten und einer Delegation von Geschäftsleuten aus den USA, die nach der politischen Öffnung in Kuba Fuß fassen wollen. Nachdem die USA als Reaktion auf die Revolution von 1959 die diplomatischen Verbindungen zu Kuba abgebrochen und ein Wirtschaftsembargo verhängt hatten, war der Besuch eines amtierenden US-Präsidenten auf der Insel jahrzehntelang unvorstellbar gewesen – auch noch nach dem Ende des Kalten Krieges.

Obamas Visite gilt nun als symbolischer Höhepunkt der Annäherung an den früheren Erzfeind. Ende 2014 vereinbarten beide Länder eine Normalisierung ihrer Beziehungen, unter anderem eröffneten beide Staaten seitdem Botschaften im jeweils anderen Land und das US-Handelsembargo wurde gelockert, etwa im Finanzbereich und für direkte Fährverbindungen. Seit wenigen Tagen gibt es auch wieder einen direkten Postverkehr.

Kuba fordert als nächsten Schritt eine vollständige Aufhebung des Embargos und eine Rückgabe des seit 1903 unter US-Kontrolle stehenden Stützpunktes Guantanamo. Raúl Castro verfolgt dabei eine vorsichtige Öffnungspolitik und setzt vor allem auf mehr ausländische Investitionen. Besonders der Tourismussektor soll ausgebaut werden, um die Einnahmen des Staates zu stärken.

Ein Treffen Obamas mit Raúls Bruder und Revolutionsführer Fidel Castro war nicht geplant. Doch auch so bestimmte der 89-Jährige die Schlagzeilen: Die Sonntagsausgabe der Zeitung Juventud Rebelde zeigte auf ihrer Titelseite neue Fotos Fidels, auf denen er im Gespräch mit Venezuelas sozialistischem Präsidenten Nicolás Maduro zu sehen ist, der die USA – ähnlich wie sein kubanischer Mentor – stets als imperialistisch und kapitalistisch kritisiert.