Zwei Tage nach den Anschlägen in Brüssel suchen die Behörden unter Hochdruck nach einem flüchtigen Verdächtigen. Offenbar gibt es erste Hinweise auf einen weiteren, bislang unbekannten Angreifer, der neben dem bereits identifizierten Khalid El Bakraoui für den Anschlag in der Brüsseler Metro verantwortlich sein soll. Dies berichten belgische und französische Medien, darunter der belgische Sender RTBF und die Zeitung Le Monde. Demnach gibt es Bilder von Überwachungsvideos, die einen Mann an der Seite von El Bakraoui zeigen, der, so wie die Angreifer am Flughafen, eine große Tasche tragen soll. Seine Identität sei noch nicht geklärt, genau so wenig wie die Frage, ob er bei dem Anschlag getötet wurde oder sich auf der Flucht befindet.

Inzwischen haben die Behörden alle drei bislang bekannten Selbstmordattentäter identifiziert – und gehen inzwischen mehreren Hinweisen nach einer Verbindung zwischen den Attentätern von Paris und Brüssel nach (detaillierte Angaben zu den Attentätern finden Sie in diesem Überblick). So soll einer der mutmaßlichen Attentäter vom Brüsseler Flughafen der Extremist Najim Laachraoui gewesen sein, der die Bomben für die Pariser Anschläge vom November gebaut haben soll.

Offiziell bestätigen wollte die Staatsanwaltschaft in Brüssel diese Informationen nicht, kündigte aber eine Stellungnahme für diesen Donnerstag an. Den Informationen aus den Sicherheitskreisen zufolge soll Laachroui im Februar 2013 nach Syrien gereist sein. Anfang September 2015 geriet er – mit falscher Identität unter dem Namen Soufiane Kayal – zusammen mit Salah Abdeslam und Mohamed Belkaid in eine Kontrolle an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich. Abdeslam und Belkaid gelten als mutmaßliche Beteiligte der Pariser Anschläge, bei denen im November 130 Menschen getötet wurden.

Neben der Verbindung von Laachraoui sowohl zu den Anschlägen in Paris als auch nach Brüssel soll es weitere Beziehungen zwischen beiden Tätergruppen geben: Nach Informationen des belgischen Senders RTBF soll Khalid El Bakraoui unter falschem Namen zwei Verstecke für die Paris-Attentäter angemietet haben, darunter auch eine Wohnung in Brüssel, in der später Fingerabdrücke von Abdeslam gefunden worden sein sollen. Zudem fanden Ermittler in der Brüsseler Wohnung der Brüder  nach offiziellen Angaben 15 Kilo derselben Art Sprengstoff TATP, wie er auch in Paris verwendet worden war.

Polizeibekannte Attentäter

Am Dienstag dann sprengten sich am Flughafen und in der U-Bahn der belgischen Hauptstadt insgesamt drei Extremisten in die Luft und töteten dabei mindestens 31 Menschen. Mehr als 270 Menschen wurden verletzt, darunter auch Deutsche. Die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte sich kurz nach den Anschlägen zu den Taten bekannt.

Die Behörden identifizierten die beiden polizeibekannten Brüder Ibrahim und Khalid El Bakraoui als zwei der Selbstmordattentäter. Einer von ihnen soll seinen Sprengsatz am Flughafen gezündet haben, der andere am U-Bahnhof Maelbeek. Der dritte getötete Attentäter war nach Angaben aus Sicherheitskreisen Laachraoui. Seine DNA wurde demnach am Flughafen nachgewiesen. Nach ihm war zuletzt als Komplize des mutmaßlichen Paris-Attentäters Salah Abdeslam gefahndet worden. Der sitzt seit Freitag in belgischer Untersuchungshaft. 

Die Brüder El Bakraoui sind Belgier, in Brüssel geboren und wegen einer Reihe von Delikten polizeibekannt. Khalid El Bakraoui wurde 2011 zu fünf Jahren Haft wegen Autodiebstahls unter Gewaltanwendung verurteilt. Ibrahim El Bakraoui erhielt 2010 eine neunjährige Haftstrafe, weil er an einem Einbruch beteiligt war, bei dem Polizisten mit einer Kalaschnikow beschossen wurden.

"Dann ende ich in einer Zelle"

Die belgischen Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass die Terroristen die Anschläge möglicherweise schneller als geplant durchgeführt und zunehmend panisch gehandelt hätten. Auf einem Laptop, der bei einer Razzia in einer Mülltonne sichergestellt worden war, entdeckten die Ermittler eine Botschaft, die von Ibrahim El Bakraoui stammen soll. "Ich weiß nicht, was ich tun soll, ich bin in Eile", zitierte Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw während einer Pressekonferenz aus dem Schreiben. "Wenn ich mich selbst aufgebe, ende ich in einer Zelle neben ihm", schrieb El Bakraoui demnach in Anlehnung an den mutmaßlichen Drahtzieher Abdeslam.

Derweil hält die Suche nach einem vierten Verdächtigen an. Dabei handelt es sich um einen Mann, bekleidet mit weißer Jacke und Hut, der ebenfalls auf einem Überwachungsvideo zu sehen ist. Neben ihm könnten noch mehrere weitere Personen mit Verbindungen zu den Anschlägen auf der Flucht sein, sagte Paul Van Tigchelt von der belgischen Abteilung für Terrorabwehr.