Terror in Brüssel - Belgische Polizei fahndet intensiv nach Verdächtigem In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch durchkämmten Einsatzkräfte unter anderem den Brüsseler Stadtteil Schaerbeek. Belgien rief die höchste Alarmstufe aus, mobilisierte Soldaten sowie zusätzliche Polizisten.

In Belgien fahndet die Polizei nach den Sprengstoffanschlägen von Brüssel nach einem flüchtigen Terrorverdächtigen und möglichen Hintermännern. Das Land ist im Ausnahmezustand, nach einem kompletten Stopp des öffentlichen Lebens sollen erste Busse und Bahnen wieder fahren. Viele Menschen hatten die Nacht in Hotels und in Quartieren verbracht, die Freiwillige zur Verfügung gestellt hatten. 

Die aktuelle Entwicklung nach den Anschlägen in Brüssel lesen Sie hier im Liveblog 

Stunden nach den Anschlägen am Flughafen Zaventem und der Metrostation Maelbeek, bei denen mindestens 34 Menschen starben, hatten Spezialeinheiten Gebäude in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek durchsucht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft fand die Polizei in einer Wohnung eine Flagge der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), der sich zu den Brüsseler Anschlägen bekannte, sowie einen Sprengsatz mit Nägeln und chemische Substanzen.

Von der Razzia betroffene Anwohner, die nicht bei Freunden oder Bekannten unterkommen konnten, wurden in eine mit Betten ausgestattete Sporthalle gebracht. Die Anwohner konnten am frühen Morgen schließlich in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren, die Sicherheitszone in Schaerbeek wurde aufgehoben.

Hintergrund der Aktion waren die beiden Sprengstoffanschläge, bei denen nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler zwei Männer auf dem Flughafen zwei in Taschen verborgene Sprengsätze zündeten. Das Gebäude wurde dadurch stark beschädigt und 14 Menschen getötet, etwa 100 verletzt.  Wenig später explodierte in einem in der Metrostation stehenden Waggon eine Bombe, weitere 20 Menschen starben, etwa 100 weitere wurden verletzt. Der oder die Täter sind hier vollkommen unbekannt.

Von den mutmaßlichen Tätern am Flughafen gibt es Bilder aus einer Überwachungskamera. Sie transportieren auf Trolleys Reisetaschen. An jeweils einer Hand tragen sie einen Handschuh. Darunter hätten sich Experten zufolge Zünder befinden können. Laut dem Bürgermeister der Gemeinde Zavantem, Francis Vermeiren, waren sie mit dem Taxi gekommen. Bei den ersten beiden explodierten die Sprengsätze. Der dritte Mann sei in Panik geraten, weil seine Bombe nicht explodierte. Nach dem dritten Mann auf dem Foto, bekleidet mit einer weißen Jacke und einem Hut, wird nun gefahndet.

Laut Medienberichten hatte ein Taxifahrer die Ermittler auf die Spur eines Verstecks der mutmaßlichen Attentäter gebracht. Der Mann habe die Verdächtigen mit seinem Wagen von einer Wohnung in Schaerbeek abgeholt und zum Flughafen gefahren, berichtete der Sender VRT. Dabei sei ihm aufgefallen, dass die Fahrgäste sich nicht mit dem Gepäck helfen lassen wollten.

Zuvor war Kritik an den Behörden laut geworden. Seit November, spätestens aber seit der Verhaftung des Terrorverdächtigen von Paris, Salah Abdeslams, in Molenbeek, rechneten in Brüssel viele mit Anschlägen – nur die Sicherheitskräfte schienen von den Ereignissen überrumpelt worden zu sein, wie auch der belgische Innenminister Jan Jambon sagte. Ein einheitlicher Notfallplan, nach dem sich Polizei und Militär richten würden, ist nirgendwo erkennbar, berichtete ZEIT ONLINE-Korrespondentin Daniela Weingarten aus Brüssel

Der "Islamische Staat" drohte weiteren am Anti-IS-Kampf beteiligten Ländern mit Angriffen. Die Terrormiliz schrieb in einer aktualisierten Verlautbarung, den gegen sie kämpfenden Nationen drohten "dunkle Tage". "Was kommt, ist schlimmer und bitterer", hieß es. Auch Belgien ist an der internationalen Militärallianz gegen den IS beteiligt.

Der Text wurde auf Arabisch und Französisch veröffentlicht. Der IS veröffentlichte der auf Extremistenwebsites spezialisierten Organisation Site Intelligence Group zufolge auch Fotos, die Kämpfer in Syrien zeigen sollen, wie sie die Brüsseler Terrorserie feiern und dabei Süßigkeiten an Kinder verteilen.

UN-Sicherheitsrat verurteilt Terroranschläge

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte die Terrorserie in Brüssel. Sowohl regional als auch international müssten die Anstrengungen verstärkt werden, um Terrorismus und gewalttätigen Extremismus zu bezwingen, teilte der Rat in New York mit.

Orte der Anschläge in Brüssel

Flughafen Brüssel-Zaventem, Karte
Brüssel, Maelbeek, U-Bahn, Metrostation, Karte

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sei zuversichtlich, dass "Belgiens und Europas Bekenntnis zu Menschenrechten, Demokratie und friedlicher Koexistenz weiterhin die wahre und anhaltende Antwort auf den Hass und die Gewalt sind wird, deren Opfer sie heute geworden sind", sagte ein UN-Sprecher. Viele weitere politisch Verantwortliche hatten die Anschläge verurteilt.

USA mahnen zu Wachsamkeit in Europa

Wie andere Staaten riefen auch die USA ihre Bürger zu Wachsamkeit bei Europabesuchen auf. In einer Mitteilung des Außenministeriums heißt es, es bestehe das Risiko weiterer Anschläge bei Sportveranstaltungen, an Touristenorten, in Restaurants und öffentlichen Verkehrsmitteln.

Auf Bitte Belgiens wollen sich die für innere Sicherheit zuständigen Minister der EU-Staaten zu einem Sondertreffen zusammenkommen. Mehrere auch deutsche Politiker hatten bereits eine engere Zusammenarbeit der Ermittlungsbehörden und mehr Datenaustausch gefordert.