Straßenproteste: Demonstration gegen Donald Trump in New York © Eduardo Munoz Alvarez/Getty Images

Die Proteste der vergangenen Tage waren schon Minuten, nachdem die ersten Hochrechnungen aus Arizona kamen, vergessen. Nach seinen Siegen bei den meisten Vorwahlen bisher, so wurde schnell klar, hat sich Donald Trump auch den wichtigen Bundesstaat im Südwesten des Landes gesichert und damit weitere 58 Delegierte gewonnen, auch wenn er in Utah verlor. Sein Vorsprung vor Ted Cruz ist damit auf fast  300 Delegiertenstimmen angewachsen. Der Immobilientycoon ist der Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner damit einen weiteren Schritt nähergekommen.

Nicht nur in der eigenen Partei steigt die Unruhe angesichts von Trumps Siegesserie. Auch in weiten Teilen der Bevölkerung ist man plötzlich wach geworden. "Die ersten Monate haben wir uns alle gefühlt wie ein Reh im Scheinwerferlicht", sagte der Washington-Chef der Online-Aktionsplattform MoveOn.org, Ben Wikler, vor wenigen Tagen. "Das ist jetzt vorbei."

MoveOn.org veröffentlichte in der vergangenen Woche einen Alarmbrief, in dem Trump als hasserfüllter Fanatiker bezeichnet wird, der "eine Bedrohung für das Amerika darstellt, das wir lieben". Die Verfasser riefen zu einer "massiven, friedlichen Mobilisierung" auf. "Wir müssen sicherstellen, dass er es nicht mal in die Nähe des Weißen Hauses schafft", hieß es in dem Brief. Unterschrieben war er von 22 Bürgerrechtsorganisationen und Umweltschutzgruppen.

US-Vorwahlen - Clinton und Trump gewinnen Vorwahlen in Arizona Im Mormonenstaat Utah mussten sich die beiden Favoriten jedoch ihren Verfolgern Sanders und Cruz geschlagen geben. Sanders konnte gegenüber Clinton aufholen.

Der Grad an Mobilisierung auf beiden Seiten sei einzigartig, sagt Steffen Schmidt, Politikwissenschaftler an der Iowa State University. Zwar hätten schon andere Kandidaten in der Vergangenheit ähnliche Reaktionen hervorgerufen. "Aber das waren Nischenfiguren, die als Unabhängige ins Rennen gegangen sind." Jetzt gehe es immerhin um den front runner der Konservativen – und da sei eine solche Intensität und ein solches Ausmaß an Besorgnis neu. Denn nicht nur die Anhänger von Trump sehen nach Jahren der politischen Enttäuschung einen Anlass, sich wieder in den politischen Prozess einzuschalten. Der Milliardär und politische Rechtsaußen mobilisiert in ähnlichem Maße auch politische Gegner in der Zivilgesellschaft.

Am Wochenende blockierten Protestler in Arizona über Stunden die Zufahrt zu dem Veranstaltungsort, an dem Trump sprechen sollte. In New York marschierten Demonstranten vom Central Park Richtung Trump Tower und forderten "Liebe statt Mauern". Eine Veranstaltung von Trump in Chicago musste aus Sicherheitsgründen gleich ganz abgesagt werden. Die Hackergruppe Anonymous nahm seine jüngsten Äußerungen zur Außenpolitik zum Anlass, ihm zum zweiten Mal den Onlinekrieg zu erklären.

Auch Amerikas Prominenz schaltet sich inzwischen ein. Ein offener Brief von Brandon Stanton, dem Macher hinter dem Blog Humans of New York, wurde vor wenigen Tagen mit mehr als zwei Millionen Likes – unter anderem von Hillary Clinton – zum offiziell erfolgreichsten Post in der Geschichte von Facebook. "Sich Ihnen in den Weg zu stellen, ist keine politische Entscheidung mehr, es ist eine moralische", schrieb der Blogger an Trump gerichtet.

Der Comedian Louis C.K. schickte vor Kurzem eine E-Mail an seine Fans, in der er vor den Gefahren eines Präsidenten Donald Trump warnte und unverblümt Parallelen zum Aufstieg von Hitler zog. John Oliver nahm Trump in seiner Sendung auseinander und Hollywoodstar Harrison Ford machte sich in einem Video über den Milliardär lustig, nachdem Trump den Auftritt des Schauspielers als heldenhafter US-Präsident in dem Film Air Force One gelobt hatte. Ford rettet darin die Präsidentenmaschine vor einer Meuterei durch Terroristen. "Es ist nur ein Film, Donald", so Ford knapp.