Russisches Militär auf dem Luftwaffenstützpunkt in Syrien © Dmitriy Vinogradov/RIA Novosti/dpa

Russland hat mit dem Abzug seiner Truppen aus Syrien begonnen. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums sind die ersten Bomber vom Typ SU-34 sowie Tu-154-Transportmaschinen vom Stützpunkt Hmeimim Richtung Russland gestartet. Zuvor hatten Soldaten Frachtflugzeuge mit Ausrüstung und Material beladen. Das Staatsfernsehen zeigte entsprechende Bilder in einer Live-Übertragung.

Syrien - Putin ordnet Teilabzug aus Syrien an

Am Montagabend hatte Russlands Präsident Wladimir Putin überraschend den Abzug des Hauptkontingents seiner Truppen aus Syrien befohlen. Der Einsatz habe seine Ziele weitgehend erfüllt, begründete er diesen Schritt und sieht damit auch die Voraussetzung für die Gespräche zwischen Opposition und Regierung erfüllt. "Die effektive Arbeit unseres Militärs hat die Bedingungen für den Start des Friedensprozesses geschaffen", sagte er und fügte hinzu, dass russische Einheiten gleichwohl am Hafen von Tartus und in Hmeimim stationiert bleiben.

Der UN-Sicherheitsrat begrüßte den Schritt. "Wenn wir sehen, dass Truppen sich zurückziehen, bedeutet dies, dass der Krieg einen anderen Schritt geht, deshalb ist das gut", sagte Ismael Gaspar Martins, der angolanische UN-Botschafter und derzeit Präsident des Sicherheitsrats. Seitens des Bundesaußenministers Frank-Walter Steinmeier hieß es, dies "erhöht den Druck auf das Regime von Präsident Baschar al-Assad, in Genf endlich ernsthaft über einen friedlichen politischen Übergang zu verhandeln".

"Wir müssen das überprüfen"

Die syrische Opposition reagierte indes verhalten. Sie teilte mit, dass sie zunächst abwarten wolle, wie Putin seine Ankündigung konkret umsetzen werde. "Wir müssen die Art dieser Entscheidung und ihre Bedeutung überprüfen", sagte ein Sprecher des Hohen Verhandlungskomitees (HNC). Falls der Schritt dafür sorge, dass alle russischen Truppen aus Syrien entfernt würden, wäre das positiv. Zugleich mahnte er Putin, seinen Worten Taten folgen zu lassen, indem er "sagt, dass er an der Seite des syrischen Volkes steht, nicht an der Seite der syrischen Diktatur". 

Derzeit verhandeln Mitglieder der syrischen Regierung und Opposition in Genf über einen möglichen Friedensplan. An diesem Dienstag will der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura mit Vertretern der Opposition zusammenkommen, nachdem er sich zuvor mit der Delegation der Regierung getroffen hat. Die Konfliktparteien sind tief zerstritten darüber, welche Rolle Assad künftig spielen soll. De Mistura mahnte deshalb Ernsthaftigkeit an und nannte die Verhandlungen den "Moment der Wahrheit". Ein erneutes Scheitern der Gespräche wie im Februar könne den Konflikt noch verschlimmern, warnte er. Der einzige "Plan B" sei eine Rückkehr zum Krieg.

In Syrien herrscht seit fünf Jahren Bürgerkrieg. Fast die Hälfte der einstigen 23 Millionen Einwohner des Landes wurde vertrieben. Mehr als 4,8 Millionen Menschen flohen ins Ausland. Zu den Leidtragenden gehören laut dem UN-Hilfswerk Unicef vor allem Kinder.