Der AfD-Politiker Marcus Pretzell ist aus der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformisten (EKR) ausgeschlossen worden. Das teilte ein Sprecher der Fraktion mit. Für einen entsprechenden Antrag hätten 45 Mitglieder der Euro-skeptischen Fraktion gestimmt, bei 13 Gegenstimmen.

Zur EKR zählen unter anderen die britischen Konservativen Tories, aber auch die als rechtspopulistisch geltende Partei Die Finnen. Die Gruppe ist die drittgrößte Fraktion im Europaparlament.

Auslöser für den Ausschluss waren unter anderem Äußerungen der AfD-Vizevorsitzenden Beatrix von Storch zum Gebrauch von Schusswaffen, um Flüchtlinge am Grenzübertritt zu hindern. Pretzell hatte ebenfalls von einem Schießbefehl gegen Flüchtlinge gesprochen. Von Storch war einem Rauswurf zuvorgekommen: Sie hatte die EKR-Fraktion vergangene Woche freiwillig verlassen und sich der Fraktion "Europa der Freiheit und der direkten Demokratie" (EFDD) um den britischen Europagegner Nigel Farage und dessen UKIP-Partei angeschlossen.

Der Ausschluss sei "nach den Radikalisierungstendenzen der AfD in den letzten Monaten längst überfällig gewesen", kommentierte Arne Gericke von der Familien-Partei Deutschlands, der Mitglied der EKR-Fraktion ist und das Verfahren in Gang gebracht hatte. Pretzell stünde hinter dem nun "offen ausgesprochenen Schmusekurs" der AfD mit der Chefin des französischen rechtsextremen Front National, Marine Le Pen.

Die EKR-Fraktion hatte von Storch und Pretzell im März zum Austritt aufgerufen. Für den Fall, dass diese dem Aufruf nicht nachkommen sollten, hatte der Parteivorstand einen Ausschluss per Votum angekündigt.

Pretzell ist mit der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry liiert. Er gilt als mitverantwortlich für den Rechtsruck seiner Partei.