Neun Monate vor Ende seiner zweiten Amtszeit hat US-Präsident Barack Obama Bilanz gezogen. Kritisch sprach er dabei vor allem über den Einsatz der USA in Libyen. Auf die Frage, was sein schlimmster Fehler gewesen sei, antwortete Obama dem Sender Fox News: "Wahrscheinlich, dass ich nicht für den Tag nach der Intervention in Libyen geplant habe, die mir damals als richtige Entscheidung erschien."

Der libysche Diktator Muammar al-Gaddafi war 2011 gestürzt worden. Das Land wird seitdem beherrscht von mehreren bewaffneten Milizen. Eine nationale Regierung gibt es nicht. Stattdessen konkurrieren zwei Regierungen: Ein Parlament in Tripolis, das von Islamisten dominiert wird, und das Abgeordnetenhaus in Tobruk, das international anerkannt wird.

Die chaotische Situation nutzt der "Islamische Staat" (IS). Mehr und mehr wird Libyen zum Rückzugsort für die Terrormiliz, die in dem Land einen 150 Kilometer langen Küstenstreifen kontrolliert. Zwischen 4.000 und 6.000 Kämpfer des IS sollen sich in dem Land aufhalten, sagte vergangene Woche ein Kommandant der US-Armee. Die hatte Anfang des Jahres Ziele in Libyen bombardiert. So war im Februar ein Trainingslager der Islamisten zerstört worden und ein hoher Funktionär getötet.

Libyen ist auch Thema im US-Wahlkampf

Nicht nur in Armeekreisen, sondern auch im amerikanischen Wahlkampf ist Libyen ein Thema. Denn Außenministerin während der Invasion war Hillary Clinton, die als Demokratin ins Weiße Haus einziehen will. Ende Februar hatte die New York Times einen Bericht veröffentlicht, in dem die Journalisten Libyen als failed state bezeichneten und Clintons Rolle untersuchten. Die wollte damals kein Interview geben und sagte nur, es sei zu früh, um beurteilen zu können, ob Libyen ein gescheiterter Staat sei.

Ihr Rivale Bernie Sanders hatte Clinton zuvor attackiert. Der Einsatz in Libyen würde beweisen, dass Clinton aus der Invasion des Iraks im Jahr 2003 nichts gelernt habe. Sanders sagte: "Clinton war stolz darauf, das Regime in Libyen gestürzt zu haben, aber sie hat sich nicht überlegt, was danach geschehen soll."