Die Kämpfe an der Grenze zur Kaukasusregion Berg-Karabach halten unvermindert an. 16 Soldaten aus Aserbaidschan seien binnen zwei Tagen getötet worden, teilte das Verteidigungsministerium in Baku mit. Armenien und Aserbaidschan gaben sich gegenseitig die Schuld an der Eskalation der Kämpfe. Aserbaidschans stellvertretender Außenminister Chalaf Chalafow sagte: "Die ganze Verantwortung für das, was passiert, liegt bei Armenien, das nicht an einer Lösung des Konflikts interessiert ist und internationales Recht ignoriert."

Die nach Unabhängigkeit strebende Region Berg-Karabach wirft hingegen der aserbaidschanischen Armee eine drastische Intensivierung der Angriffe vor. Jeden Tag setzten die Truppen größere Artilleriekaliber ein, heißt es in einer Stellungnahme der bewaffneten Kräfte Berg-Karabachs, die von Armenien unterstützt werden. Montagnacht seien Wohngebiete und Militär-Stellungen mit Raketenwerfern beschossen worden.

Die Ex-Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan streiten sich seit Jahrzehnten um Berg-Karabach. Die Region südlich des Kaukasus wird mehrheitlich von christlichen Armeniern bewohnt, gehört völkerrechtlich aber zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Es wird seit 1994 von einheimischen Separatisten und der armenischen Armee kontrolliert. Jahrelange Verhandlungen zur Lösung des Konflikts haben bisher nur wenige Fortschritte gebracht.

Am Freitag war der Konflikt einmal mehr eskaliert. Seitdem sind nach Angaben der Regierung in Baku 64 Menschen getötet worden.

Russland und der Westen haben beide Konfliktparteien zur Deeskalation und zur Einstellung der Kämpfe aufgerufen. In Wien werden am heutigen Dienstag Vertreter der sogenannten Minsk-Gruppe – der Russland, die USA und Frankreich vorstehen – zusammenkommen. Sie wollen versuchen, die Ausweitung der Kämpfe zu einem offenen Krieg zu verhindern und zum Waffenstillstand zurückzukehren. Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier vermittelt. Deutschland hat derzeit den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Berg-Karabach hatte sich in den 1990er Jahren für unabhängig von Aserbaidschan erklärt, wird von Armenien kontrolliert und von beiden Seiten beansprucht. 1994 hatte ein Waffenstillstandsabkommen einen Krieg um Berg-Karabach beendet.