In dem überfüllten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos haben etwa 100 Männer mit einer Sitzblockade am Haupteingang begonnen. Sie halten Schilder hoch und rufen "freedom" und "not back to Turkey", berichtet ZEIT-ONLINE-Reporter Lenz Jacobsen. Etwa 20 Einsatzkräfte der Polizei hätten um die Flüchtlinge Stellung bezogen, Ausschreitungen habe es nicht gegeben.

Bei den meisten der Demonstranten handelt es sich augenscheinlich um Menschen aus Pakistan und Bangladesch. Bei der ersten Abschiebung von der griechischen Insel in die Türkei waren von den 202 abtransportierten Migranten die meisten Pakistani. Sie hatten teilweise kein Asyl beantragt. Viele berichteten, dass ihnen nie die Möglichkeit gegeben worden sei, ihrem Wunsch nach Asyl Ausdruck zu verleihen.

Das Lager Moria auf Lesbos ist nach dem EU-Türkei-Deal zum Gefängnis geworden. Zäune und Stacheldraht umschließen es. Moria war gedacht für 2.000 Personen, heute beherbergt es laut dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR 2.500 Menschen. Manche sprechen von 3.000 oder gar 3.500. Die meisten Helfer haben Moria verlassen, als es abgesperrt wurde, um nicht zu Gefängniswärtern zu werden.

Trotz der Rückführungen in die Türkei am Montag kommen weiter Flüchtlinge nach Griechenland. Innerhalb von 24 Stunden hätten 225 neue Asylsuchende vom türkischen Festland auf griechische Ägäis-Inseln übergesetzt, teilte der griechische Stab für die Flüchtlingskrise am Dienstag mit. Am Vortag waren 339 gekommen. Am Sonntag kamen 514 Menschen an, am Samstag 566 und am Freitag 339. Am Dienstag wurden die Rücktransporte zunächst ausgesetzt, weil Asylanträge geprüft werden mussten.