Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hat große Pläne für die Europäische Union. Im Gespräch mit der ZEIT fordert er eine "Wiedergründung Europas". Dazu müsse es einen historischen Kompromiss zwischen Frankreich und Deutschland geben. Die Franzosen müssten ihre Souveränitätsrechte aufgeben, die Deutschen ihre Schuldenhoheit.

"Frankreich etwa scheut den Souveränitätsentzug, Deutschland die Aufgabe seiner Finanzautonomie. Ich sage: Machen wir beides!", sagte Macron, der als neuer Geheimfavorit für die französischen Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr gehandelt wird. Dazu sei ein Denken notwendig, "das weit über das eigene Handeln, die öffentliche Meinung und das nationale Interesse hinausgeht". Wenn die Europäische Union auf die derzeitige Krise nicht reagiere, werde sie verschwinden.

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Im Interview unterstützt Macron ausdrücklich die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Für mich hat die Kanzlerin mit ihrer Flüchtlingspolitik recht behalten." An der Haltung der eigenen Regierung übt Macron dagegen Kritik. "Wir haben das Universale so lange geliebt, wie wir es selbst verkörperten."