Die Ukraine hat das Verbot der Organisation der Krimtataren durch russische Behörden als inakzeptabel verurteilt. Das Vorgehen gegen die tatarische Selbstverwaltung, der Medschlis, sei eine "schreiende Menschenrechtsverletzung", erklärte die Sprecherin des ukrainischen Außenministeriums. Zuvor hatte das russische Justizministerium die Medschlis als "extremistische Organisation" für aufgelöst erklärt.

Die Krimtataren haben sich am stärksten gegen die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland 2014 gewehrt. Seitdem sind fast alle ihre Einrichtungen geschlossen worden. Die Führung der Medschlis, dem Parlament der Krimtataren, ist auf ukrainisches Gebiet geflüchtet. Von dort verficht sie eine Blockade der Halbinsel, ihre Aktivisten beteiligten sich im vergangenen Herbst an der Sprengung von Stromleitungen zur Krim.

Der litauische Außenminister Linas Linkevičius rief die EU zu gemeinsamen Reaktionen auf die Verletzungen der Rechte der Krimtataren durch Russland auf. In einem Brief an die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach er sich für eine Verurteilung der Moskauer Aktionen aus, teilte das Außenministerium in Vilnius mit. Die EU solle sich auch gegen das Verbot der Medschlis einsetzen. 

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) forderte eine "scharfe Reaktion vieler wichtiger, in erster Linie auch deutscher Politiker". "Diese Entscheidung hat keine rechtliche Grundlage und ist von russischer Seite völlig eigenmächtig", sagte die GfbV-Referentin Sarah Reinke. "Dass nun keine lautstarke und auf diesen Handstreich der prorussischen Staatsanwältin erfolgt, enttäuscht die Krimtataren bitter."

Der Europarat hatte vergangene Woche vor einem Verbot der Medschlis als "neuer Stufe der Repression" gewarnt. "Es ist weder normal noch akzeptabel, dass eine Bevölkerung von 2,5 Millionen Menschen außerhalb der Reichweite der Menschenrechtsmechanismen gehalten wird, die zum Schutz aller Europäer geschaffen wurden", hieß es in einem in Straßburg veröffentlichten Papier.

Mit Russland verbinden die Krimtataren die Erinnerung an ihre Deportation aus der Heimat 1944 unter Stalin. Im März 2014 annektierte Russland die zur Ukraine gehörende Schwarzmeerhalbinsel Krim. Dort lebt eine Minderheit von fast 300.000 Tataren, die über zunehmende Menschenrechtsverletzungen klagt.