Seine Glock 26 würde Norbert Hofer nicht mit in die Hofburg nehmen, das gehört sich nicht für einen Bundespräsidenten. Vor einem Jahr hat der Sportschütze sich die Pistole des bekannten österreichischen Waffenherstellers zugelegt, sie erhöhe sein "subjektives Sicherheitsempfinden", ließ er über seinen PR-Manager mitteilen. In den zahlreichen TV-Sendungen vor der Wahl am Sonntag war die Pistole des FPÖ-Kandidaten natürlich ein Thema. Ob er verstehe, dass immer mehr Österreicher Waffenscheine beantragen, wurde er im ORF gefragt. Er bejahte. "Es ist immer in unsicheren Zeiten, dass die Menschen versuchen, sich zu schützen."

Norbert Hofer will so etwas wie die Glock der österreichischen Bürger sein. Ihr "Schutzherr", wie es sein FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache ausdrückte. Die Rechtspopulisten führten einen archaischen Wahlkampf: Österreich werde bedroht – von Flüchtlingen, von TTIP, von Brüssel. Die Regierung handele nicht, nur Hofer stehe für die Bürger ein. "Aufstehen für Österreich – Deine Heimat braucht dich jetzt!" stand auf den Plakaten geschrieben. Daneben, vor rot-weiß-roter Fahne, war Hofer zu sehen, mit einem Blick wie ein stolzer Olympionike bei der Nationalhymne.

Die Strategie ging voll auf: Der 44-Jährige holte mit 35,1 Prozent den größten Stimmanteil der FPÖ aller Zeiten bei einer bundesweiten Wahl und geht nun als Favorit in die Stichwahl gegen Alexander Van der Bellen, der von den Grünen unterstützt wird. Es ist ein Ergebnis, das so niemand vorhergesagt hatte – und das mehr als erstaunlich ist für einen Mann, den vor vier Monaten fast nur Experten kannten.

Genau das sei ein großer Vorteil gewesen, sagt der Wiener Politikberater Thomas Hofer – der mit dem Kandidaten weder verwandt noch verschwägert ist – im Gespräch mit ZEIT ONLINE: "Er hat keinen Rucksack mitgeschleppt, sondern konnte seine Marke aufbauen." Im Auftreten zeige sich Hofer untypisch für einen FPÖ-Mann: Wo die Freiheitlichen früher Skandale provozierten und Journalisten anblafften, blieb der 44-Jährige stets freundlich im Umgangston. Selbst bei schärfsten Attacken gegen den Gegner behielt er sein Bübchenlächeln auf dem glattrasierten Gesicht, das ein bisschen an den Sänger Max Raabe erinnert. "Das freundliche Gesicht der Partei", diesen Beinamen trägt Hofer in der Presse schon seit Jahren.

In die FPÖ trat Hofer im Alter von 23 Jahren ein. In seiner Heimat in Pinkafeld im Burgenland, wo er mit seiner Frau und den vier Kindern wohnt, fungierte er als Wahlkampfleiter der Landespartei. Damals hatte er noch seinen Job als Flugzeugingenieur. 2003 verletzte er sich beim Paragliding schwer an der Wirbelsäule, verbrachte einige Monate im Rollstuhl. Noch heute hat er Probleme beim Gehen.

Im österreichischen Parlament, dem Nationalrat, sitzt Hofer seit 2006. Die Behindertenpolitik hat er zu einem seiner großen Themen gemacht. Bei Kollegen gilt er als umgänglich, aber hart in der Sache. Eigenschaften, die der FPÖ-Politiker auch im Wahlkampf gezeigt hat. "Er hat die harten Botschaften seiner Partei weichgezeichnet", sagt Politikberater Thomas Hofer.

Aber auch den groben Pinselstrich beherrscht der Politiker: Als sein Kontrahent Van der Bellen sagte, er würde als Präsident keine Regierung unter einem FPÖ-Kanzler vereidigen, bezeichnete Hofer ihn als "faschistischen Diktator". Der aktuellen großen Koalition drohte Hofer kurzerhand mit Entlassung, sollte sie nicht nach seinen Vorstellungen handeln. Für den Wiener Politikexperten Thomas Hofer waren das Zugeständnisse an die klassischen FPÖ-Wähler, die dem Amt an sich eher mit Skepsis begegnen und deswegen schwierig zu mobilisieren sind. "Außerdem ist es ja nicht so, dass Hofer zufällig in der Partei gelandet ist."