Nordkorea soll erneut gegen UN-Resolutionen verstoßen haben. Offenbar hat das Land von einem U-Boot aus eine ballistische Rakete abgeschossen. Das Geschoss sei vor der Hafenstadt Sinpo abgefeuert worden, teilte das Verteidigungsministerium des Nachbarlandes Südkorea mit. Nordkorea hatte in Sinpo bereits mehrfach U-Boot-Raketen erprobt.

Der südkoreanische Generalstab erklärte, das Projektil sei etwa 30 Kilometer weit geflogen. Normalerweise flögen von U-Booten aus abgefeuerte Raketen mindestens 300 Kilometer weit. Wo es eingeschlagen ist, war zunächst nicht bekannt. Der letzte Raketentest Nordkoreas mit einem U-Boot Ende Dezember sei ein Fehlschlag gewesen.

Nordkorea wiederum feierte den Test als großen Erfolg. Machthaber Kim Jong Un persönlich habe den Versuch überwacht, der die "Verlässlichkeit des koreanischen Unterwasserabschusssystems" bestätige, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA.

Mit dem Raketentest habe Nordkorea bewiesen, dass es fähig sei, "jederzeit die Köpfe der südkoreanischen Marionetten und der US-Imperialisten" zu treffen, zitierte KCNA Kim. Er sprach von einem "Augen öffnenden Erfolg".

Kim Jong Un will vor dem Parteitag Stärke demonstrieren

Rüstungsexperten zufolge arbeitet Nordkorea derzeit an seiner Fähigkeit, ballistische Raketen von U-Booten aus abzufeuern. Von dort aus sind Raketenstarts schwerer zu entdecken als von landgestützten Abschussrampen. Südkoreanische Spezialisten halten es zwar für unwahrscheinlich, dass Nordkorea über ein funktionstüchtiges U-Boot verfügt, das mehrere Raketen abfeuern kann, räumen jedoch ein, dass das Land bei der Entwicklung dieser Technologie Fortschritte mache.

Wenn das System tatsächlich weiter ausgereift ist, könnte das eine neue Bedrohungslage für die umliegenden Länder sowie die USA bedeuten. Zuletzt waren Befürchtungen laut geworden, dass der abgeschottete kommunistische Staat vor dem Kongress der Arbeiterpartei Anfang Mai einen weiteren Atomtest planen könnte.

Das US-Außenministerium wollte sich nicht zu den Berichten äußern, verwies jedoch darauf, dass Nordkorea mit jedem Start einer ballistischen Rakete gegen die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats verstoße.

Südkoreas Militär teilte mit, wegen des jederzeit möglichen fünften Atomtests in hoher Alarmbereitschaft zu sein. Der Zeitpunkt vor dem Parteikongress wäre für Machthaber Kim Jong Un günstig, um vor dem Gremium Stärke zu demonstrieren. Es ist der erste Parteikongress seit 36 Jahren. Nach dem vierten Atomtest im Januar hatte der UN-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen Nordkorea verschärft. Die USA und Südkorea gehen davon aus, dass Nordkorea an der Entwicklung eines U-Boot-gestützten Raketensystems sowie von Interkontinentalraketen arbeitet und damit auch die USA in Reichweite kommen könnten.