Die Staatsanwaltschaft von Panama hat nach den Enthüllungen mehrerer Medien über in dem mittelamerikanischen Land gegründete Briefkastenfirmen Ermittlungen eingeleitet. "Nachdem Informationen zu den sogenannten Panama Papers publik geworden sind, gibt die Staatsanwaltschaft den Beginn entsprechender Ermittlungen bekannt", hieß es in einer Mitteilung der Behörde.

Aus den unter anderem von der Süddeutschen Zeitung ausgewerteten Dokumenten, mit denen sich in den vergangenen zwölf Monaten rund 400 Journalisten in rund 80 Ländern beschäftigt haben, soll hervorgehen, dass insgesamt 140 Politiker, Sportler und Prominente ihr Geld in Offshore-Firmen geparkt haben. Mehr als 200.000 Offshore-Firmen hat demnach die panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca, auf deren Unterlagen die Recherche beruht. 

Kanzlei-Teilhaber Ramón Fonseca Mora wehrte sich gegen die Vorwürfe. "Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen", sagte der frühere Berater von Panamas Präsident Juan Carlos Varela im Fernsehsender TVN. Er führt die Kanzlei gemeinsam mit dem deutschstämmigen Rechtsanwalt Jürgen Mossack.

Sein Unternehmen helfe nicht bei Geldwäsche oder Steuerhinterziehung. Mossack Fonseca gründe lediglich Firmen und verkaufe sie dann an Banken, Vermögensverwalter oder Anwälte. Eine Geschäftsbeziehung zu den Endkunden bestehe nicht. Seine Kanzlei sei seit 40 Jahren im Geschäft und habe bislang fast 240.000 Firmen gegründet. "Wir kümmern uns um den juristischen Teil und verkaufen sie dann an Zwischenhändler", erklärte er. "Alle, die jetzt in den Veröffentlichungen auftauchen, sind keine Kunden von uns, sondern der Zwischenhändler." 

Mit der Veröffentlichung umfangreicher Daten über Inhaber von Briefkastenfirmen sind mehrere amtierende Staats- und Regierungschefs unter Druck geraten. Unter den Betroffenen seien der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, sein argentinischer Kollege Mauricio Macri, die Regierungschefs von Island und Pakistan sowie König Salman von Saudi-Arabien. Auch Verwandte amtierender Staatschefs tauchen auf der Liste auf, so im Falle des chinesischen Präsidenten Xi Jinping oder des britischen Premierministers David Cameron. Auch international sanktionierte Geschäftsleute wie ein Cousin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad haben den Unterlagen zufolge Offshore-Firmen genutzt. Neben den Namen von Politikern und ihrem Umfeld tauchen in der Liste auch Milliardäre, Sportler, Schauspieler, Waffenhändler, Spione und Betrüger auf.

Panama Papers - Recherchenetzwerk enthüllt globalen Finanzbetrug Ein internationaler Zusammenschluss aus Redaktionen hat durch zugespielte Dokumente ein weltweites Netz an Steuerbetrügern enthüllt. Viele Briefkastenfirmen in Panama verschleierten über Jahre die Kapitalflucht.

Kreml spricht von "Informationsattacke

Panamas Staatschef Juan Carlos Varela sagte die volle Kooperation seines Landes bei der Aufklärung des Falls zu. "Die panamaische Regierung verfolgt eine Null-Toleranz-Politik in allen Bereichen des Rechts- und Finanzwesens, wo nicht mit einem höchsten Maß an Transparenz gearbeitet wird", hieß es in einer Erklärung des Präsidialamts.

"Wenn es zu einem juristischen Prozess kommt, wird die Regierung von Panama umfänglich kooperieren", hieß es nun in der Stellungnahme. "Die Regierung von Präsident Juan Carlos Varela hat in den 21 Monaten ihrer bisherigen Amtszeit gezeigt, dass sie sich der Transparenz bei Finanzdienstleistungen verpflichtet fühlt."

In Argentinien reagierte das Büro von Präsident Mauricio Macri auf einen Bericht der Zeitung La Nación, wonach er und seine Familie Verbindungen zu der Offshore-Firma Fleg Trading mit Sitz auf den Bahamas habe. Sein Büro bestätigte, dass eine im Besitz seiner Familie befindliche Unternehmensgruppe diese Firma gegründet habe. Doch halte Macri selbst keine Anteile an Fleg und habe nie Einkünfte aus der Firma erhalten, hieß es aus seinem Büro.

Die angeblichen Spuren der Panama Papers in Richtung Kreml werden in Russland als Propaganda des Westens zurückgewiesen. Im Parlament in Moskau sagte die Vorsitzende des Sicherheitsausschusses, Irina Jarowaja, es gebe eine Vielzahl von Informationsattacken gegen den russischen Präsidenten. "Das ist eine von vielen Giftinjektionen in der Hoffnung, dass die Dosis irgendwann anschlägt", sagte sie der Agentur Tass zufolge. Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte bereits vor einer Woche vor einer bevorstehenden "Informationsattacke" gewarnt. Bei der Regierung in Moskau seien "auf rüde Weise eine Serie von Fragen" einer Organisation eingegangen, die Präsident Wladimir Putin zu verleumden versuche, sagte Peskow. Aus den Panama Papers geht hervor, dass zahlreiche von Putins Weggefährten in den vergangenen Jahren mehr als zwei Milliarden Dollar durch Briefkastenfirmen geschleust und dabei hohe Millionenbeträge außer Landes geschafft haben. 

Frankreichs Präsident François Hollande kündigte rechtliche Schritte im Zusammenhang mit den Enthüllungen über Briefkastenfirmen in Panama an. "Ich versichere Ihnen, so wie die Information zutage tritt, werden Untersuchungen durchgeführt, Verfahren eröffnet und Prozesse geführt werden", sagte Hollande am Montag am Rande eines Firmenbesuchs bei Paris.

Viele Länder reagieren auf Vorwürfe

Das ukrainische Antikorruptionsbüro wird aufgrund der Panama Papers nicht gegen Präsident Petro Poroschenko ermitteln. "Gemäß den geltenden Gesetzen gehört der Präsident nicht zur Liste der Funktionsträger, gegen die das Büro Ermittlungen aufnehmen kann", erklärte die Behörde auf Anfrage der Onlinezeitung strana.ua am Montag. Nur gegen ehemalige Präsidenten könne ermittelt werden. Dennoch regten zwei Abgeordnete der Präsidentenpartei, Mustafa Najem und Sergej Leschtschenko, die Einrichtung einer juristischen Untersuchungskommission an.

Viele weitere Länder kündigten Untersuchungen an. In Australien hat die Steuerbehörde ATO nach den Enthüllungen erste Ermittlungen eingeleitet. Man habe 800 australische Steuerzahler ermittelt, hieß es in einer Mitteilung der Behörde. Mehr als 120 von ihnen hätten zudem Verbindungen zu einem Offshore-Unternehmen in Hongkong, das jedoch nichts mit den Geschäften in Panama zu tun habe.  Der neuseeländische Premierminister John Key wies die Beschreibung zurück, wonach sein Land zu den 21 Steueroasen zähle, die von Mossack Fonseca genutzt worden seien. "Steueroasen befinden sich dort, wo es eine Geheimhaltung von Informationen gibt", sagte er. Dies treffe nicht auf Neuseeland zu.

Die israelische Steuerbehörde kündigte an, die Liste betroffener Firmen zu überprüfen. "Wir werden untersuchen, ob dabei Dinge sind, die nach israelischem Recht nicht legal sind", sagte ein Sprecher der Steuerbehörde in Jerusalem. Weitere Einzelheiten nannte er nicht. Die Zeitung Haaretz berichtet von rund 600 betroffenen israelischen Firmen und 850 israelischen Aktionären.

Die Familie von Pakistans Premier Nawaz Sharif wehrte sich gegen Kritik. "Diese Wohnungen gehören uns und diese Offshore-Firmen gehören auch uns", sagte Sharifs Sohn Hussain dem Fernsehsender Geo. "Es ist nichts Falsches daran, und ich habe sie nie versteckt und auch nicht vor, das zu tun." Laut den Enthüllungen besitzen Sharifs Kinder Hussain, Hasan und Maryam über eine Briefkastenfirma Immobilien in London.