Die ungarische Regierung hat auf einer neu eingerichteten Internetseite vor 900 angeblichen No-Go-Areas in Europa mit einer hohen Einwanderungsdichte gewarnt. In Städten wie Berlin, Paris, London und Stockholm gebe es Gebiete, über die die Behörden "wenig oder gar keine Kontrolle" hätten, heißt es auf der Seite. Mit deren Freischaltung startete die Regierung ihre Kampagne zur Ablehnung von EU-Flüchtlingsquoten, über die bald per Referendum abgestimmt werden soll.

In den No-Go-Areas sei die Zahl der Einwanderer hoch und die "Normen der Gastgebergesellschaft gelten kaum", ist auf der Internetseite zu lesen. Eine Zeituhr lässt dort zudem symbolisch im Zwölf-Sekunden-Takt einen weiteren Menschen nach Europa einreisen. Danach befragt, woher die Regierung ihre Informationen beziehe, sagte Regierungssprecher Zoltan Kovacs, diese stünden "frei zugänglich im Internet". Zu Details äußerte er sich nicht. Ebenso unklar blieb, welche Stadtbezirke in den einzelnen europäischen Metropolen genau gemeint sind.

In der EU sollen laut einer Vereinbarung vom Herbst insgesamt 160.000 Flüchtlinge aus den Hauptankunftsländern Italien und Griechenland auf alle anderen Mitgliedstaaten umverteilt werden. Ungarn soll gut 2.100 Flüchtlinge aufnehmen, weigert sich aber. Die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán hofft dabei auf die Unterstützung der Bevölkerung und hat für den Herbst eine entsprechende Volksabstimmung angesetzt. Alle Ungarn sollen dann per Referendum folgende Frage beantworten: "Wollen Sie, dass die Europäische Union ohne Zustimmung des ungarischen Parlaments die verpflichtende Ansiedlung von nicht-ungarischen Bürgern in Ungarn anordnet?"

Im Rahmen ihrer Nein-Kampagne hat die Regierung in Budapest nun auch die Internetseite über die Flüchtlingsquoten veröffentlicht. Über sie heißt es, sie "erhöhen das terroristische Risiko in Europa und gefährden unsere Kultur". Flüchtlinge überquerten derzeit ohne Kontrollen die Grenzen. "Wir wissen nicht, wer sie sind und welche Absichten sie haben." Es bestehe die Gefahr, dass es sich um als Flüchtlinge "verkleidete Terroristen" handelt, heißt es auf der Website.

Anfang Dezember hatte Ungarn beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) eine Klage gegen die von der EU beschlossene Flüchtlingsverteilung eingereicht.