"Der Islam ist das neue Ziel deutscher Rechtspopulisten", titelt das arabische Medium Al-Watan News, und steht damit stellvertretend für das Echo auf den AfD-Parteitag in der arabischen Welt. Das Signal, das die Alternative für Deutschland (AfD) senden will – nämlich eine Anti-Establishment- und vor allem Anti-Islam-Partei zu sein – kommt auch im Nahen Osten an und ruft entsprechende Reaktionen und Analysen hervor.

So heißt es bei anderen großen Medien der Region zum Beispiel weiter: "Die extreme Rechte ist die Speerspitze einer Kampagne, den Islam in Deutschland zu bekämpfen" (Al-Arab). Khaled Shamt von Al Jazeera schreibt: "Deutsche extremistische Partei ist gegen die Einwanderung und den Islam". Die AfD befinde sich jetzt in offener Feindschaft zum muslimischen Glauben. Andere Medien titeln schlichter "Muslime unwillkommen" (Fi al-khabr).


Die ägyptische Zeitung Al-Ahram schreibt hierzu: "Steigende Flut von Feindseligkeit: Deutsche Partei nimmt den Satz 'Der Islam ist nicht Teil von Deutschland' in ihr Wahlprogramm auf. (…) Die Slogans gegen den Islam und Muslime eskalieren auf gefährliche Weise in Deutschland. (…) Es ist bemerkenswert, dass die Partei Alternative für Deutschland – im Jahr 2013 als Anti-Euro-Partei gegründet – inzwischen mit Anti-Islam-Parolen zur drittgrößten Partei in Deutschland geworden ist, unter Ausnutzung der starken Veränderungen in der Stimmung der deutschen Wähler."

Der TV-Sender Sky News Arabia aus Abu Dhabi sieht in der AfD inzwischen "eine ernsthafte Herausforderung für die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und ihre Konservativen und andere Parteien für die kommenden Wahlen im Jahr 2017".

Die Reporterin Fatima Shouqi des Onlinemediums Youm7 in Ägypten schreibt über den AfD-Parteitag: "Der Aufstieg der rechten Parteien in Europa provoziert einen Zustand der Angst. Die Eskalation von rechts versetzt den alten Kontinent in eine gefährliche Situation. Mit Parolen gegen Moscheen, Minarette und Kopftücher versucht die AfD, Wahlen zu gewinnen. (…) Mit dem fortgesetzten Leiden der Flüchtlinge, die nach Europa kommen, und der zunehmenden terroristischen Bedrohung durch die Rückkehr europäischer Terroristen aus Syrien, findet die extreme Rechte in Europa einen fruchtbaren Boden, um Zuspruch in der Bevölkerung zu gewinnen. Und das mit Positionen, die sich gegen Flüchtlinge und den Islam richten. Im Rahmen einer Diskussion, die Freiheit der Religionsausübung für Muslime zu begrenzen, hat die AfD einen Plan ausgearbeitet, unter anderem mit dem Verbot, neue Moscheen zu erbauen."

Rückkehr des Nazismus

Das ägyptische Medium Masr al-Arabiya schreibt zum Erfolg der Alternative für Deutschland: "Steigende Flut von Islamophobie in Deutschland – Die Rückkehr des Nazismus: Deutsche Parteien konkurrieren inzwischen darum, wer mit Anti-Islam-Parolen mehr Wähler bei den nächsten allgemeinen Parlamentswahlen für sich gewinnen kann."

Das Medium verbreitet dabei gefährliche Unwahrheiten, um einen angeblichen Religionskampf zwischen Europa und der islamischen Welt herbeizuschreiben. Es heißt weiter in dem Artikel: "Volker Kauder, von Angela Merkels Partei, besuchte kürzlich Ägypten, um Druck auf die politische Führung auszuüben, den christlichen Kopten noch mehr Freiheiten zu gewähren. Dabei hat Kauder immer erklärt, ein großer Fan von Präsident Abdel Fattah al-Sissi zu sein."

Bei den Nutzern wird der Anti-Islam-Kurs der AfD wesentlich kontroverser diskutiert. So schreibt etwa ein Leser, der sich Salim Rishah nennt: "Ich weiß nicht, was der Einwand gegen eine nationale Politik wie die der AfD ist, vor allem da sie sich ja ausdrücklich nur gegen den politischen Islam richtet."

Aber auch unter den Leserreaktionen überwiegen Kritik und Skepsis am AfD-Kurs. Ein Nutzer, Shehab al-Shanhory, schreibt dazu auf der arabischen Seite von Russia Today: "Warum werden der Islam und die Muslime angeklagt, wenn die christlichen Länder ihre Kirchen verkommen lassen. Die meisten Opfer der Islamisten sind doch die Muslime in Libyen, dem Irak und Syrien."