Im Kampf gegen die radikalislamischen Taliban haben die USA womöglich einen wichtigen Erfolg erzielt: Milizenführer Mullah Akhtar Mansur sei bei einem gezielten Drohnenangriff "wahrscheinlich" ums Leben gekommen, teilte ein US-Regierungsvertreter mit.

Präsident Barack Obama habe den Angriff persönlich autorisiert. "Der Angriff galt Mansur", sagte der US-Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte. US-Außenminister John Kerry begründete Angriff unter anderem mit der von ihm ausgehenden Gefahr für US-Soldaten. Mansur sei eine "unmittelbare Bedrohung für US-Mannschaften, afghanische Zivilisten und afghanische Sicherheitskräfte" gewesen, sagte er bei einem Besuch in Myanmar. Zudem habe er die Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung "direkt abgelehnt".

Das US-amerikanische Militär feuerte in einer abgelegenen Region Pakistans nahe der Grenze zu Afghanistan auf ein Auto. Mansur war den Angaben zufolge mit einem zweiten Mann südwestlich der Stadt Ahmad Wal in dem Fahrzeug unterwegs. Auch sein Begleiter sei wahrscheinlich tot, hieß es.

Ein Pentagonsprecher hielt sich mit Details zurück. Das Ergebnis des Drohnenangriffs werde noch geprüft, sagte er. Ein US-Regierungsbeamter sagte dem Sender CNN, wegen des schwer zugänglichen Geländes könne es Tage dauern, bis Mansurs Schicksal sicher geklärt sei.

Zu diesem Schicksal gibt es weitere widersprüchliche Angaben. Der afghanische Geheimdienst NDS und die afghanische Regierung teilte über Twitter mit, dass Mansur bei dem pakistanischen Stadt Quetta getötet worden sei. Weitere Details gab es aus ihren Büros allerdings nicht. Die Nachrichtenagentur AP zitierte den ranghohen Talibankommandeur Mullah Abdul Rauf, der den Tod bestätigte.

Anderen Berichten zufolge bestritten die Taliban den Tod. Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera berief sich auf einen nicht näher genannten Taliban, der sagte, Mansur sei entgegen anderslautenden Berichten nicht getötet worden. In einer über einen telefonischen Kurznachrichtendienst verschickten Botschaft der Taliban hieß es, die Berichte seien "gegenstandslos". "Er lebt. Da war kein Anschlag auf ihn." Sprecher der Taliban waren durch die Agentur telefonisch nicht zu erreichen.

Die afghanische Regierung hatte zuvor auf der Website des Palastes verlauten lassen, man prüfe noch die Details der Operation. Das Büro des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani bestätigte zunächst lediglich den Luftangriff, nicht aber Mansurs Tod. Regierungschef Abdullah Abdullah sagte jedoch, dass dies "mehr als wahrscheinlich" sei. 

Sollten sich die Information über den Tod endgültig bestätigen, könnte das Auswirkungen auf die Friedensverhandlungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung haben. Nach US-Angaben hatte Mansur Talibanführern untersagt, an solchen Gesprächen teilzunehmen. "Mansur stand dem Frieden und einer Versöhnung zwischen der Regierung von Afghanistan und den Taliban im Wege", betonte Cook in der schriftlichen Mitteilung. Auch sei Mansur an Anschlagsplanungen beteiligt gewesen, die die Streitkräfte der Afghanen, der USA und ihrer Verbündeten bedroht hätten.

Mansur war schon einmal totgesagt

Die afghanische Regierung hatte ihn Ende 2015 schon einmal für tot erklärt; kurz darauf meldete sich der Talibanführer in einer Audiobotschaft.

Akhtar Mansur hatte Ende Juli 2015 offiziell die Führung der Taliban übernommen. Im Geheimen hatte er die Islamisten aber schon länger geführt: Sein Vorgänger Mullah Mohammed Omar, so stellte sich damals heraus, war schon zwei Jahre lang tot, bevor sein Ableben verkündet wurde. Mansur und andere aus dem Führungsgremium hatten den Tod aus Angst vor Machtkämpfen verschwiegen.

Tatsächlich spaltete Mansurs Aufstieg die Islamistengruppe. Weil er zunächst als gemäßigt galt, liefen viele Kämpfer zu extremeren Gruppen wie der IS-Terrormiliz über. Schließlich rief aber auch er zum Dschihad auf.

Mansur wird auf Mitte 40 geschätzt. Er war schon einflussreich, als die radikalislamischen Taliban zwischen 1996 und 2001 in Afghanistan herrschten. Er wurde zuerst Flughafenchef der großen südafghanischen Stadt Kandahar, später Minister für den Flugverkehr. Er war somit nicht nur für die staatliche Fluglinie Ariana zuständig, sondern auch für die Luftwaffe des Landes, die allerdings damals nur aus ein paar alten Flugzeugen und Hubschraubern bestand.

Trotz der Zersplitterung sorgen die Taliban mit tödlichen Attacken weiter für Aufsehen. Laut Experten sind mehr als 100 der rund 400 Bezirke des Landes entweder in der Hand der Taliban oder dauerhaft umkämpft. Die Zahl der zivilen Opfer war 2015 mit mehr als 11.000 Toten und Verletzten auf den höchsten Stand seit Beginn der internationalen Intervention gestiegen. Für 62 Prozent der Opfer seien die Aufständischen verantwortlich, berichteten die UN.

Am Freitag hatte die Nato beschlossen, dass der aktuelle Einsatz in Afghanistan auch im kommenden Jahr fortgesetzt wird. Im vergangenen Mai hatte die westliche Allianz noch erwogen, den aktuellen Militäreinsatz 2017 in eine zivile Mission umzuwandeln.