Mit kaum verdeckten Anspielungen gegen den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat US-Präsident Barack Obama vor Intoleranz und Ignoranz gewarnt. Sie sollten jene meiden, die als Reaktion auf eine sich rapide verändernde Welt die Vereinigten Staaten einmauern wollten, sagte Obama am Sonntag vor fast 12.000 Abgängern der Rutgers University im Staat New Jersey. Bislang hatte sich Obama mit Kommentaren zum US-Vorwahlkampf zurückgehalten.

Das Tempo des Wandels auf der Erde beschleunige sich und lasse nicht nach. Die jüngste Zeitgeschichte habe bewiesen, dass die härtesten Herausforderungen nicht in Isolation gelöst werden könnten. "Eine Mauer wird dies nicht aufhalten", erklärte Obama mit Blick auf Trumps Forderung nach der Errichtung eines Grenzwalls zwischen den USA und Mexiko. "Um uns selbst zu helfen, müssen wir anderen helfen – das ist der springende Punkt. Nicht die Zugbrücke hochziehen und versuchen, die Welt draußen zu halten."

Obama nannte Trump zwar nicht beim Namen, doch schien klar, wen er meinte. Wiederholt verwies er auf abfällige Bemerkungen über Muslime und Migranten und den Widerstand gegen Freihandelsabkommen. Vor allem äußerte sich der Präsident kritisch über eine Ablehnung von Fakten, der Wissenschaft und Intellektualität, die die Politik aktuell durchziehe.

"In der Politik und im Leben ist Ignoranz keine Tugend", sagte Obama. "Es ist nicht cool, nicht zu wissen, wovon man spricht. Das hat nichts damit zu tun, echt zu sein oder Dinge beim Namen zu nennen. Da wird der politischen Korrektheit nicht die Stirn geboten. Das ist schlicht Unwissenheit."